NPD sieht sich als Terror-Opfer der Partei "Die Rechte"

In der rechten Szene nehmen die Spannungen zwischen NPD und der Partei "Die Rechte" zu.
In der rechten Szene nehmen die Spannungen zwischen NPD und der Partei "Die Rechte" zu.
Foto: Archiv/dapd
Die NPD fühlt sich von der 2012 neu gegründeten Partei „Die Rechte“ diffamiert. Der NPD-Landesverband beklagt öffentlich „kriminelle Handlungen, Terror-Anrufe und Droh-Nachrichten aus dem Umfeld der Partei "Die Rechte". Diese gibt sich wiederum betont unschuldig und spricht lediglich von "Reibungspunkten".

Dortmund. In der rechtsradikalen Szene in NRW gärt es. Im Vorfeld einer für den 1. Mai in Dortmund angekündigten Demonstration nehmen dort offenbar die Revierkämpfe zwischen der NPD und der im vergangenen Jahr neu gegründeten Partei „Die Rechte“ an Härte zu.

Der Landesverband der NPD beklagt jetzt in einem ungewöhnlichen Schritt öffentlich „kriminelle Handlungen, Schikanen und unkameradschaftliche Handlungsweisen“ und listet gleich eine ganze Liste von Anschlägen gegen Partei-Funktionäre auf, für die sie offenbar eigene „Kameraden“ verantwortlich macht.

„Die Rechte“ wurde von dem vorbestraften Neonazi und Berufsdemonstranten Christian Worch ins Leben gerufen, der von je her ein Gegner der NPD ist. Die Partei tritt mit einem vergleichsweise moderaten Programm auf, ihr Personal rekrutiert sie allerdings aus der radikalen Nazi-Szene.

Sie wächst schnell, es sind aktuell bereits acht Kreis- bzw. Bezirksverbände gegründet worden. Landesvorsitzender in NRW ist der Dortmunder Neonazi Dennis Giemsch, als sein Stellvertreter firmiert Michael Brück; beide waren Führungskader im „Nationalen Widerstand Dortmund“, der wie zwei andere Kameradschaften im vergangenen Sommer verboten wurde.

NPD sieht "Die Rechte" als "direkte Konkurrenz"

„Die Rechte“ ist auch Anmelderin der Demonstration am 1. Mai. Auf dieser sollte neben Worch, Giemsch und dem Dortmunder Alt-Nazi Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt auch Thorsten Heise als Redner auftreten. Heise ist stellvertretender Landesvorsitzender der NPD in Thüringen, stammt ebenfalls aus dem Kameradschaftsumfeld und gilt als einer der Architekten der gescheiterten „Volksfront“-Strategie, mit der vor zehn Jahren die freien Kräfte in die NPD eingebunden werden sollten.

Die Führung der NPD untersagte Heises Auftritt jedoch, da „Die Rechte“ in „direkter Konkurrenz“ zur eigenen Partei stehe, wie es der Landesverband der NPD im Internet formuliert – samt eines absurd anmutenden Vergleiches: „Es darf bezweifelt werden, dass Frau Merkel eine Werbeveranstaltung eines Herrn Steinbrück unterstützen würde“.

Zugleich stellt sich die NPD als Opfer von Angriffen aus dem eigenen Spektrum dar, die angefangen hätten, nachdem Giemsch und Brück im vergangenen Jahr die Aufnahme in die NPD verweigert worden sei: So sei das Haus des Kreisvorsitzenden Matthias Wächter mehrfach besprüht worden, unter anderem mit den Worten „Jude“, „Du Ratte“, „Spitzel, Spalter, Hurensohn“, das Haus des Stadtrats Axel Thieme sei „entglast“ worden.

Außerdem berichtet die NPD von „Terroranrufen“ und „Drohnachrichten“ gegen ihre Funktionäre; unter Wächters Auto sei Mitte März gar ein „selbstgebastelter pyrotechnischer Sprengsatz“ explodiert.

Härteste Anfeindung in der rechten Szene

Wen die Rechtsradikalen für die Attacken verantwortlich machen, wird sehr deutlich: Immer wieder ist in dem Schreiben von „Personen aus dem Umfeld der Partei 'Die Rechte'“ die Rede. Entsprechende Anzeigen seien gestellt worden. Wächter selbst sei im Februar beim polizeilichen Staatsschutz vorstellig geworden, der in Dortmund „bei politischen Delikten zuständigen Ermittlungsbehörde“.

„Die Rechte“ wiederum gibt sich betont unschuldig, spricht lediglich von „Reibungspunkten“ zwischen den Lagern und stellt Wächter als „Polizeizuträger“ dar, der braune Gesinnungsgenossen beim Staatsschutz diffamiere – in der rechten Szene ist das die härteste mögliche Anfeindung.

Wächter, so heißt es auf einer einschlägigen Internetseite, sei nun nicht mehr nur eine „unerwünschte Person“, sondern habe eine „Stufe überschritten, die nicht hinnehmbar ist“, weswegen er keinen Platz mehr in der „nationalen Bewegung“ habe.

Demo am 1. Mai in Dortmund soll verboten werden

Die Sicherheitsbehörden geben sich derzeit noch bedeckt: Die Vorgänge in Dortmund seien bekannt, hieß es auf Anfrage im Innenministerium; welches Eskalationspotenzial sie haben, bleibe abzuwarten. Die Dortmunder Polizeibehörden wollen jedenfalls versuchen, die Demonstration am 1. Mai zu verbieten.

 
 

EURE FAVORITEN