Notfall-Mediziner fordern Druckkammer für Dortmund

Notfallmediziner fordern eine Druckkammer für Dortmund.
Notfallmediziner fordern eine Druckkammer für Dortmund.
Foto: dpa
Nach den jüngsten Unfällen mit defekten Gasthermen fordern Dortmunder Mediziner eine Druckkammer. Zurzeit müssen Patienten weit ausgeflogen werden.

Dortmund.. Wer bei einem Unfall in Dortmund eine schwere Rauchgas- oder Kohlenmonoxidvergiftung erleidet, muss häufig bis nach Hessen in die nächste Druckkammer transportiert werden. Das muss aufhören, fordern Notfall-Mediziner seit Jahren von der Landesregierung in Düsseldorf. Und nach den jüngsten Unfällen mit defekten Gasthermen verstärkt.

Unfälle mit defekten Gasthermen gab es in den vergangenen Tagen häufiger: Mit einem Rettungshubschrauber wurde eine Frau am Freitagabend wegen einer erhöhter CO-Konzentration im Blut in eine Druckkammer nach Aachen geflogen werden. Am Samstag brachte ein Rettungswagen mit Notarztbegleitung eine vierköpfige Familie in Folge einer defekten Gastherme nach Wiesbaden in eine Druckkammer. Und auch am Montag gab es im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Asselburgstraße in Asseln wieder einen Feuerwehr-Einsatz an einer defekten Gastherme - ohne Verletzte.

Opfer werden über Hunderte Kilometer transportiert

In Dortmund gibt es keine Druckkammer. Dass vergiftete Patienten über Hunderte von Kilometern transportiert werden müssen, kritisieren Notfall-Mediziner seit Jahren. Doch passiert ist nichts. Im Gegenteil - die Lage hat sich verschärft, seit die beiden Spezial-Druckkammern in NRW nur eingeschränkt nutzbar sind: Die Kammer an der Universitätsklinik in Düsseldorf ist mangels Personal nur für wenige Stunden in der Woche "am Netz", und eine privat betriebene Druckkammer in Aachen ist ebenfalls nicht rund um die Uhr im Einsatz.

Je mehr Zeit verloren geht bei der Behandlung, desto schlimmer sind vor allem bleibende, neurologische Schäden. Es drohen Hirninfarkte, Krampfanfälle und bei Schwangeren ist das ungeborene Kind in Lebensgefahr. Der Transport bis nach Hessen bedeutet einen enormen Zeitverlust. Das Land Hessen komme seinem Sicherstellungsauftrag zur Behandlung von Opfern schwerer Rauchgasvergiftungen nach, nicht aber das Land NRW, sagt Dr. Hans Lemke, Ärztlicher Leiter des städtischen Rettungsdienstes.

Günstige Druckkammer wurde von Klinikumsleitung abgelehnt

Druckkammern werden nicht nur bei Vergiftungen durch Rauchgas oder Kohlenmonoxid eingesetzt, sondern zum Beispiel auch nach Tauchunfällen. Vor drei Jahren gab es die Möglichkeit, eine gebrauchte Druckkammer günstig für Dortmund zu bekommen, sinnvoll zuzuordnen der Schwerstbranntverletzten-Station in der Unfallklinik am Fredenbaum. Chance vertan. Die Anschaffung rechne sich nicht für das Klinikum, hatte die damalige Geschäftsführung des vor drei Jahren noch defizitär betriebenen Klinikums betont. Besagte Druckkammer kam nach Dubai.

69 Rauchgasopfer waren insgesamt 2014 zu beklagen, 24 davon mussten in Kliniken behandelt werden - davon zehn in Druckkammern. In diesem Jahr waren es schon 54 Rauchgasopfer, 29 kamen ins Krankenhaus, davon wiederum zehn in Druckkammern.

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