Note „Sechs“ für einen untauglichen Gentleman

Kathrin Melliwa
Ein skurriler Prozess um eine nächtliche Prügelei wurde am Freitag im Amtsgericht verhandelt. Foto: Luthe
Ein skurriler Prozess um eine nächtliche Prügelei wurde am Freitag im Amtsgericht verhandelt. Foto: Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.  Einen starken Mann an der Seite stellt sich Frau anders vor: Mutig warf sich die zarte Asiatin dazwischen, als ein betrunkener Nachtvogel ihrem fast doppelt so alten Begleiter die Leviten lesen wollte. Während sie sich dann prügelnd am Boden wälzte, kümmerte sich ihr Liebhaber um sein Auto...

So geschehen am 15. Dezember 2009, nachts um ein Uhr in der Betenstraße, gegenüber der Bäckerei „Fischer am Rathaus“. Jetzt hatte jene turbulente Szene ein Nachspiel im Amtsgericht. Der Prügel-Gegner der zierlichen, aber alles andere als zartbesaiteten jungen Frau musste sich wegen Körperverletzung verantworten. Hatte die Dame doch einst in ihrer Anzeige von einem Faustschlag ins Gesicht und einem Tritt in den Bauch berichtet – woran sie sich vor Gericht allerdings nicht mehr erinnerte. Der Angeklagte selbst schwieg auf Anraten seines Verteidigers Axel von Irmer.

Auf dem Autodach stand eine Flasche Sekt

„Wir wollten nach Hause, doch diese jungen Leute hatten uns zugeparkt“, erzählte die junge Dame. Und nicht nur das: Rund um das Auto des Paares ließ die Clique eine Party steigen, „auf unserem Dach stand sogar eine Flasche Sekt“. Mit markigen Worten habe sie der Gruppe klar gemacht, dass sie verschwinden sollten. Ihr Liebhaber indes fuhr den Wagen vorsichtig weg, begleitet vom Gejohle er betrunkenen Gesellschaft. „Mein Freund stieg aus dem Auto, gab mir die Brille. Ich wollte aber nicht, dass er sich schlägt, er ist ja schon älter.“

Die Dame prügelte sich - und ihr Liebster sorgte sich ums Auto

Und so stieg sie für ihren Liebsten in den Ring. Teilte aus und steckte ein. „Was hätte ich da noch groß machen sollen?“ fragte der 62-Jährige schulterzuckend. Und fügte zum Erstaunen von Amtsrichterin Dr. Johanna Heusel hinzu: „Ich bin zurück zum Auto, machte den Motor aus. Der Wagen hätte ja geklaut werden können!“ Auch habe seine Uhr einen gewissen Wert.

Da nicht aufzuklären war, was damals geschah, wurde der Prozess eingestellt. Was das Paar nicht mehr mitbekam. Sichtlich verliebt hatte es vorher den Saal verlassen.