Nordstadt-Straßen sind nach Straßenstrich-Aus in Dortmund wieder sicherer

Rolf Maug
So sieht es in der Ravensberger Straße nach Schließung des Straßenstrichs in Dortmund aus. Foto: Ralf Rottmann
So sieht es in der Ravensberger Straße nach Schließung des Straßenstrichs in Dortmund aus. Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Dortmund. Nach dem Aus für den Straßenstrich in Dortmund verschwanden mit den meisten Prostituierten auch deren kriminelle Begleiter. „Zeugenaussagen“ untermauern die nackten Zahlen über Belehrungen, Verwarnungen, Strafanzeigen und Festnahmen, die Stadt und Polizei am Montag bei einer Pressekonferenz zur Situation in der Nordstadt nannten.

Wo bis Mitte Mai Europas größter Straßenstrich pulsierte, ist jetzt tote Hose. „Wir haben jetzt Ruhe“, berichtet Joachim Brune, Inhaber von Herdes Gartencenter. Sein Betrieb hatte in Dortmund mit am meisten unter den unangenehmen Begleiterscheinungen des Straßenstrichs gelitten. „Die Verkehrsbehinderungen durch den Suchverkehr der Freier auf der Bornstraße und die vielen Beinahe-Unfälle - das alles ist jetzt Geschichte.“

Von einem „Rückgewinn der Normalität“ spricht Thorsten Stumm, Mitglied der Schulkonferenz der Nordstadt-Grundschule Kleine Kielstraße. „Der Verkehr in unserem Wohngebiet hat dramatisch abgenommen, und damit vermutlich auch die Belastung mit Abgasen.“ Und: „Die Eltern sagen, sie trauten sich jetzt erstmals wieder, bei Tag und bei Nacht auf die Straße zu gehen. Dafür sind wir froh und dankbar.“ Auch dafür, nunmehr einen Draht zur Stadtpolitik zu haben.

Von einem „klaren Signal an die Wohnungswirtschaft in der Nordstadt“ spricht Christian Schmitt, Geschäftsführer der Julius Ewald Schmitt Grundstücksgesellschaft. Die Botschaft laute: Lieber die Häuser ihn Ordnung bringen als sie so schnell wie möglich abzustoßen.

„Die Stimmung unter unseren Mitgliedern ist so gut wie lange nicht mehr“, bringt es Christian Engelbrecht, Sprecher der Eigentümerinitiative Nordstadt auf den Punkt. Er habe stets große Hoffnung auf die inzwischen von Stadt und Polizei eingeleiteten Schritte gesetzt, was sich nun bestätige.

Umsteigerinnen

Etwa 40 Frauen hätten versucht, nach Schließung des Strichs an der Ravensberger Straße auf die Prostitution in der Linienstraße, in Bars und Clubs oder in Wohnungen umzusteigen, berichtet Jutta Geißler-Hehlke von der Mitternachtsmission. Aber nur zehn von ihnen hätten das geschafft. Über das gesamte letzte Jahr hinweg habe man Kotakt zu 362 Straßenprostituierten gehabt - jetzt seien es 22.

Elke Rehpöhler, Leiterin der Prostituierten-Beratungsstelle Kober, weiß von durchschnittlich 25 Frauen, die noch auf der Straße unterwegs sind, und Dreien, die in Gasstätten anbahnen. Sie schließt „deutliche Veränderungen“ nicht aus.