Römische Graffiti-Künstlerin gestaltet Außenwand der Jungferntalschule

Zeitunglesen kann ungeahnte Nebenwirkungen haben. Im Februar zum Beispiel lasen Mareike Pawlowski und Susanne Comuth von der Offenen Ganztagsschule an der Jungferntal-Grundschule in der Zeitung von der Dortmunder Streetart-Gallery, die freie Wände sucht, damit Graffiti-Künstler sich darauf legal "austoben" können.

Rahm. "Da haben wir naturlich sofort an unsere vordere Wand gedacht", berichtet Susanne Comuth. Denn, so gelungen die Architektur des 2008 gebauten OGS-Gebäudes auch ist, ausgerechnet zum Eingang an der Bothestraße sieht der Besucher zur Begrüßung nur eine kahle Wand.

"Ein Bild für Kinder"


Nachdem Schulleitung und die Dortmunder Immobilien-Wirtschaft grünes Licht gegeben hatten, nahmen die beiden Kontakt zur Streetart-Gallery auf und nannten ihre Vorgaben: "Es soll ja ein Bild für Kinder werden, wir wollten also einen Künstler, der viel mit Farben arbeitet."
Die Wahl fiel auf Alice Pasquini. Die 33-jährige Römerin fand auch tatsächlich die Zeit, nach drei Projekten in den USA den Weg in das verschneite Jungferntal zu finden. Sie reiste in Begleitung ihre Stiefvaters mit dem Auto aus Rom an, all das benötigte Material im Kofferraum.

Die wortkarge Italienerin benötigte am Mittwoch nur einen 20-Minuten-Besuch, um sich von der Wand inspirieren zu lassen. Am Donnerstag zeigte Alice Pasquini den handwerklichen Aspekt ihrer Kunst. Ausgerüstet mit einer Leiter, einer Farbrolle und einem Eimer Farbe grundierte sie eigenhändig die komplette Wand. Das eigentliche Graffito folgte am Freitag: mit feinen Strichen entstand das Gesicht eines kleines Kindes auf der Wand, ein Bild von stiller Schönheit.

Geniale Maltechnik


Weil man Sprühlack nur schwer von einer frisch grundierten Wand entfernen kann, verwendet Alice Pasquini eine einfache wie geniale Maltechnik. Mit einem Tageslicht-Schreiber projiziert sie ihre Motive, die sie vorher auf eine Folie gemalt hat, auf die Wand, und sprüht die Linien nach.

Am Fuße ihrer Leiter hatte Alice Pasquini zwei glückliche zuschauer. Mareike Pawlowski und Susanne Comuth freuten sich über ihren Coup: Die Verschönerung ihrer OGS durch eine international renomierte Künstlerin, und das alles ohne einen Cent zu bezahlen. Denn die Kosten übernimmt die Streetart-Gallery.


Von Holger Bergmann