Jugendliche fotografieren ihre Träume

Ihre Wünsche für die Zukunft haben 18 Jugendliche in Huckarde fotografisch umgesetzt. Die Ergebnisse sind jetzt in einer Ausstellung in der Kokerei Hansa zu sehen - zum Teil in Lebensgröße auf LKW-Planen an der Fassade des Industriedenkmals. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Huckarde. Worum geht es in der Ausstellung?

18 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren haben sich bei dem Projekt "Zeitreise Hansa" mit ihrer Zukunft beschäftigt. Von März bis November haben die geflüchteten und in Deutschland aufgewachsenen Jugendliche mit Fotografin und Filmemacherin Ulrike Korbach und Designerin Annette Naudiet von Kunstreich im Pott an dem Fotoprojekt gearbeitet. Die Kokerei Hansa diente ihnen dabei als Ort der Annäherung und Auseinandersetzung. Ihre Zukunft setzten sie in Kontext zu dem historischen Erbe des Ruhrgebiets.

Wie sind die Fotos entstanden?

Zusammen mit den Künstlerinnen haben die Jugendlichen zunächst - ausgestattet mit Spiegelreflexkameras oder Handys - das Gelände der Kokerei durchstreift. Dabei schulten sie ihren Blick für Fotomotive. Sie lernten die wichtigsten Elemente der digitalen und analogen Kameratechnik sowie der Porträtfotografie, wie Blende, Belichtungszeit und Brennweitenverhältnis. Die Ausstellung in der Kokerei Hansa dokumentiert auch den künstlerischen Lernprozess der Jugendlichen. In den entstandenen Fotos stecken Botschaften wie "Ich will abschalten" oder "Ich will Abitur machen" - meist witzig oder mit einem Augenzwinkern inszeniert.

Was ist auf den Bildern zu sehen?

"Ich will Herzdoktor werden" - dieser Traum hängt nun als drei mal vier Meter große LKW-Plane an der Fassade der Kokerei Hansa. Darauf zu sehen ist ein junger Mann im weißen Kittel, mit Mundschutz und Haube, in den blutverschmierten Händen hält er ein Herz. Der 16-jährige Alireza ist aus dem Iran geflüchtet und lebt jetzt in Dortmund. Das ist nur eines der Bilder, die in und an der Kokerei Hansa zu sehen sind. Alle Arbeiten sind an unterschiedlichen Plätzen des Industriedenkmals entstanden - auch an Orten, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind.

Wird es ein Nachfolge-Projekt geben?

Ein ähnliches Fotoprojekt, für das sich auch schon Teilnehmer von Zeitreise Hansa angemeldet haben, startet ab Januar in Hörde bei Kunstreich im Pott, Am Heedbrink 29. Die Treffen werden regelmäßig nach Absprache stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos, das Angebot richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Infos hat Ulrike Korbach, E-Mail: u.korbach@kunstreich-im-pott.de

Bis wann ist die Ausstellung noch zu sehen?

"Zeitreise Hansa" läuft noch bis 8. Januar in der Kokerei Hansa, Emscherallee 11. Die Arbeiten hängen in der Kompressorenhalle und draußen auf dem Gelände. Öffnungszeiten der Kokerei sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Für das Projekt "Zeitreise Hansa" haben die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Kunstreich im Pott und das Kulturbüro Dortmund zusammengearbeitet. Gefördert wurde das Projekt von "Jugend ins Zentrum" der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren.

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