„Eine unverschämte Drohung“

Anwalt Tobias Scholz (Mieterverein) nimmt sich den Sorgen von Beate und Gustav Strenger an.
Anwalt Tobias Scholz (Mieterverein) nimmt sich den Sorgen von Beate und Gustav Strenger an.
Foto: beim Autor

Westerfilde..  Seit über 30 Jahren wohnen die Strengers in der Gesenhofstraße. Jetzt sollen sie raus aus der Mietwohnung. Die Häusser-Bau 3 GmbH & Co KG dränge das Ehepaar zum Auszug – und dies mit „dreisten Methoden“. Das ist der Vorwurf des Mietervereins Dortmund.

Die Umwandlung in Eigentumswohnungen zum Zweck des Weiterverkaufs sei bei Häusser-Bau 3 Strategie. Mieter stünden dem im Weg: „Das ist ja nicht das erste Mal, dass versucht wird, den Mieterschutz auszuhebeln“, so Tobias Scholz vom Mieterverein. Und Beate und Gustav Strenger seien in der Gesenhofstraße nicht die einzigen Mieter, bei denen Kündigungssperrfristen umgangen würden. Sie seien derzeit auch von der Überzeugungsarbeit des Bochumer Unternehmens betroffen: „Da wurde richtig Telefonterror gemacht“, erzählt Gustav Strenger (58). Die Botschaft: „Der Möbelwagen steht bald vor der Tür“ – falls die Auflösung des Mietvertrages abgelehnt werde. „Das machen die auch bei anderen, sogar bei einem Nachbarn, der kürzlich einen Schlaganfall hatte.“

Die Strengers ließen sich nicht einschüchtern. Vor gut zwei Wochen erreichte sie ein Schreiben des Häusser-Bau-Anwalts: Die Wohnung sei zum 1. November 2010 veräußert worden. Außerdem werde im Schreiben behauptet, die Strengers hätten der Räumung der Wohnung mündlich zugestimmt – dann jedoch widerrufen, als der Auszug schriftlich vereinbart werden sollte. Das Ehepaar bestreitet dies: Es sei schlicht „nicht wahr“, dass sie der Auflösung des Mietvertrages mündlich zugestimmt hätten.

Der Anwalt habe ein letztes Angebot unterbreitet: Ein Auflösungsvertrag sei vorbereitet. Die Mieter könnten mit einer Entschädigung von 4800 Euro rechnen, wenn sie innerhalb von acht Wochen aus der Wohnung auszögen. „Für 4800 Euro kriegen sie keinen Umzug hin“, meint Tobias Scholz. Und den Strengers geht’s auch ums Prinzip: Sie haben Geld in die Wohnung gesteckt. Sie haben hier ein soziales Umfeld. Zudem: „Manche Leute meinen, sie könnten die Welt kaufen“, ärgert sich Beate Strenger. Sie hatte Freitag Geburtstag, wurde 55 Jahre alt. Zum Feiern ist ihr weniger zumute.

Denn im Anwaltschreiben werde mitgeteilt: Falls der Auflösungsvertrag nicht akzeptiert würde, folge eine Eigenbedarfskündigung zum 31. Juli 2011. Auch dass dem Schreiben ein Entwurf der Kündigung als Anlage beigefügt wurde, ist nach Auffassung des Mietervereins „eine unverschämte Drohung“. Schließlich versuche Häusser-Bau 3, sich über die im Umwandlungsfall geltende Kündigungssperrfrist nach § 577a BGB hinwegzusetzen. So gelte hier eine Sperrfrist von drei Jahren nach Erwerb der Wohnung. Und laut Grundbuch habe Häusser-Bau 3 definitiv Anfang 2009 gekauft. Hinzu komme die reguläre Kündigungsfrist – im Fall der langjährigen Mieter Strenger neun Monate. Eine ordnungsgemäße Kündigung könne somit frühestens zum Herbst 2012 erfolgen. Daher, so Tobias Scholz, sei das Vorgehen von Häusser-Bau „als dreister Einschüchterungsversuch zu bewerten“.

 
 

EURE FAVORITEN