Dorstfelder bitten im Kampf gegen Rechts um Solidarität

In Unterdorstfeld ruft der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus am Freitag (18.11.2016) zu einer Demonstration auf.
In Unterdorstfeld ruft der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus am Freitag (18.11.2016) zu einer Demonstration auf.
Foto: Hans Blossey
Ein Stadtteil ruft um Hilfe: Angesichts zahlreicher geplanter Nazi-Aktionen fordern Bürger von Dorstfeld mehr Solidarität der Dortmunder Bürger.

Dortmund.. Dorstfeld, immer wieder Dorstfeld. Ein Hausbesitzer hat keine Probleme damit, dass Rechtsextremisten mit klaren Bekenntnissen zum Nationalsozialismus in seinen Immobilien wohnen und duldet Farbschmierereien mit eindeutigen Parolen auf seinen Fassaden. Nur deshalb können sich rund 25 Neonazis in Unterdorstfeld zusammenrotten: weil sie dort Wohnraum finden. "Die verbreiten ein Weltbild, das mit der Realität in Dorstfeld nichts zu tun hat", stellt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze klar.

Und doch gelingt es diesen Neonazis immer wieder, die Medien zu bedienen. Sie provozieren mit fremdenfeindlichen Parolen, verbreiten Hass gegen politische Gegner sowie Schutz suchende Geflüchtete und wenden Gewalt an – gegen Andersdenkende, gegen Ausländer und gegen die Polizei. Sie betreiben Agitation gegen die demokratische Gesellschaft. Mittel dafür sind auch Demonstrationen.

Den Dorstfelder Bürgern Sicherheit geben

Freitag (18.11.2016) wollen 100 Neonazis durch Unterdorstfeld ziehen. Ins Visier nehmen sie dabei verstärkt die Polizei, die seit Ende September 2016 rund um die Uhr im Einsatz ist, und dem Versuch, einen "Raumkampf" aufzunehmen, ein Ende bereiten will. "Wir wollen für die Anwohner da sein und den Menschen ein Sicherheitsgefühl geben und diesen Stadtteil nicht zu einem Angst-Raum oder perspektivisch zu einem rechtsfreien Raum erklären lassen", begründete Polizeipräsident Gregor Lange am Dienstag (15.11.) den Dauereinsatz in Unterdorstfeld.

Ein Dauereinsatz, der Erfolge zeige: "Es gab Festnahmen und Strafverfahren mit sicheren Beweisen." Bei denen, die Unterdorstfeld als "Nazi-Kiez" für sich beanspruchen wollen, sei "Frust spürbar". Frust, der sich in Angriffen gegen die Polizei, mit antisemitischen Parolen am jüdischen Mahnmal und auch bei der Demonstration am kommenden Freitag entladen soll. Dafür verstärkt sich die Dorstfelder Szene am Freitagabend mit 100 Demonstrations-Teilnehmern. Auf ihrer Internetseite rufen sie zu einer Demonstration auf dem Wilhelmplatz auf - also genau dort, wo der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus seine Solidarität mit den Dorstfeldern zum Ausdruck bringen will. Die Nazis gehen auf Konfrontationskurs.

Solidaritäts-Demo beginnt um 18.15 Uhr

Jutta Reiter und Friedrich Stiller vom Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus bitten die Dortmunder, die Dorstfelder an diesem Freitagabend nicht alleine zu lassen. Den Neonazis müsse "recht deutlich" werden, dass die friedlichen Bürger zahlreiche Unterstützung erhalten - und dass Unterdorstfeld eben kein "Nazi-Kiez" ist. Die Demonstration des Arbeitskreises beginnt um 18.15 und endet um 20.30 Uhr. Auch Polizeipräsident Gregor Lange forderte die Dortmunder zur Teilnahme am friedlichen Protest der Demokraten auf. "Es kommt dabei gar nicht auf ein großes Programm an", sagte dazu Bezirksbürgermeister Friedrich Fuß, "aber wir müssen Präsenz zeigen." Auch Fuß betonte, dass die Rechtsextremisten in der Bevölkerung keinen Rückhalt haben.

Zeit und Strecke für den Nazi-Aufmarsch sind noch nicht bekannt. Die Polizei will die Bürger auf allen Kanälen, also auch via Facebook und Twitter, informieren. In Dorstfeld verteilt sie 14.000 Flugblätter. Auch der Kommunikationszug der Polizei ist im Einsatz. Beeinträchtigungen in Dorstfeld seien nicht vermeidbar. Polizeipräsident Gregor Lange bittet die Bürger um Verständnis.

 
 

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