Dieser Mann ist der König von Fidelitas

Am Anfang wollten sie nur seinen Körper. Es war 1984, das Stück hieß "Hier sind sie richtig" und der Regisseur suchte jemanden, der sich als "Spartacus" nur in Turnhose auf die Bühne traute. Karl-Heinz Hülsmann traute sich. Und war vom Theater so begeistert, dass er dem Verein für Volksbühnenspiele beitrat. Ein Rückblick.

Dorstfeld. Seit 1984 hat Karl-Heinz Hülsmann regelmäßig bei Fidelitas Theater gespielt. In diesem Jahr spielt der Dorstfelder seine 60. Rolle bei Fidelitas. Eine Art Jubiläum.

"Ich war ja nur für Fußball", sagt Karl-Heinz Hülsmann mit einem Lachen. Der SC Dorstfeld 09 war in den 80ern sein Zuhause. Seine Frau Cornelia hingegen war in der Tanzgruppe von Fidelitas aktiv. So sei der Regisseur damals auf ihn gekommen, erzählt der 69-Jährige heute. Als "Spartacus" zeigte er 1984 viel nackte Haut und sprach die ersten Sätze auf der Bühne.

Nach dem Fußball in die Oper

Schon früher sei er nach dem Fußball gerne ins Theater oder die Oper gegangen, sagt Karl-Heinz "Kalle" Hülsmann. "Die anderen haben dann gesagt: ‚Du bis’ doch bekloppt!‘"Gegangen sei er trotzdem. "Das war meine schwierigste Rolle!", ruft Karl-Heinz Hülsmann jetzt, läuft um einen Tisch im Fidelitas-Treff und zeigt auf einen gerahmten Zeitungsausschnitt an der Wand.

Auf dem Foto zu sehen sind einige als Tiere verkleidete Menschen, eine Frau trägt einen roten Kapuzenumhang, daneben steht jemand mit einer Wolfsmaske und fellbesetzten Krallen-Handschuhen. "Ich war der Wolf", sagt der 69-Jährige.

Die Geschichte von Rotkäppchen war das Weihnachtsmärchen 2011. "Unter der Maske sprechen und dann noch mit den Pranken umziehen, das war schwierig, dafür mussten wir lange üben." Das Bühnenbild, die Maske und die Kostüme machen die Laienschauspieler von Fidelitas selbst.

Seit 33 Jahren ist Karl-Heinz Hülsmann Vereinsmitglied, seit 1992 erster Vorsitzender. Doch den Ton gibt jemand anderes an, sagt er: "Bei unserer Regie muss auch ich als Vorsitzender zurückstecken, was die sagen, ist das Evangelium."

Zurzeit sind Renate Pieper und Heike Bors die Regisseurinnen. Sie haben auch das diesjährige Weihnachtsmärchen "Das tapfere Schneiderlein" für Fidelitas bearbeitet. Karl-Heinz Hülsmann spielt den König. "Wie immer bei Märchen", sagt der 69-Jährige und lacht. Ob in "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" oder "Rumpelstilzchen", ob böser oder guter Charakter - Karl-Heinz Hülsmann spielt den König. "Wenn ich dann die strahlenden Augen von den Kindern sehe, dann ist für mich Weihnachten."

Bei seinen ersten Auftritten habe er noch den Text von allen Rollen auswendig gelernt. Heute sieht der 69-Jährige das lockerer: "Es muss nicht alles hundertprozentig perfekt sein, dafür sind wir Laien." Es ginge doch allen mehr um den Spaß. Trotzdem habe er immer noch Lampenfieber. "Fragen Sie meine Frau: Zwei Stunden vor der Premiere bin ich zu nix zu gebrauchen!" Wie ein Tiger laufe er dann auf und ab und sei kaum ansprechbar.

"Hausmeister, das war eine schöne Rolle", sagt Karl-Heinz Hülsmann und zieht einen Kittel über. "Da konnte ich immer eine Pulle Bier dabei haben, allerdings haben sie mir leider nur Wasser reingetan." Den Hausmeister spielte er in "Sommertraum in der Bretagne" (2011) und "Immer wieder nachts um vier" (2013). Seine zweite "Oben-Ohne-Rolle", erzählt der Vereinsvorsitzende, habe er in "Für Opa nur das Beste" (2015) gehabt.

Darin versteht der Großvater Nackt- statt Nachtbasar - und entkleidet sich. Danach habe es ihm jedoch gereicht mit dem Ausziehen auf der Bühne. "Seitdem bin ich in der Muckibude und habe zwölf Kilo abgenommen." Als nächstes verkleidet sich Karl-Heinz Hülsmann mit den mitgebrachten Requisiten als Teufel aus "Die Schneekönigin" (2014). Wenn er den Teufel spiele, gehe er nach der Aufführungen zu den Kindern und erkläre ihnen, dass es auch nette Teufel gebe. So einer ist der "Kalle".

Es würde etwas Kulturelles fehlen

Warum braucht es eigentlich Vereine wie Fidelitas, Herr Hülsmann? "Wenn wir Fidelitas nicht hätten, fehlte etwas Kulturelles in Dorstfeld", sagt Karl-Heinz Hülsmann. Außerdem brauche man Vereine, um Kinder und Jugendliche von der Straße wegzuholen - "damit sie nicht dem rechten Mob verfallen". Das Faszinierende sei für ihn der Zusammenhalt im Verein, sagt der Vorsitzende.

Noch einmal spielen würde er gerne den cholerischen Schlachter Herrn Piening aus der Komödie "Mit Küchenbenutzung". "Ich bin ernst, aber ich kann auch Blödsinn", sagt Hülsmann. Seine Lieblingsrolle ist aber eine andere: "In ‚Perle Anna’ durfte ich an der Seite von Regisseurin Margret Koretzki spielen", sagt Karl-Heinz Hülsmann.

Er mimte einen Hausherrn in Frankreich, sie seine Haushälterin, es gab viele Lacher. Das war 1985. Vor zwei Jahren ist Margret Koretzki gestorben. "Die Frau war Fidelitas." Und dann bleibt Karl-Heinz Hülsmann still. Der Verein mit seinen 135 Mitgliedern ist für ihn wie eine Familie - und er das Oberhaupt. In dieser Rolle versucht er, alle zusammenzuhalten. Doch gegen den Tod kommt er nicht an.

Die Aufführungen von "Das tapfere Schneiderlein" sind am 3. Dezember (Samstag) um 16 Uhr und am 4. Dezember (Sonntag) um 15 Uhr in der Aula der Wilhelm-Busch-Realschule, Höfkerstraße 7. Einlass ist eine Stunde zuvor.
Karten für 4,50 Euro gibt es bei Karl-Heinz Hülsmann (Tel. 175170), Stephanie Schubert (Tel. (0172) 1684336) oder freitags im Fidelitas-Treff, Spicherner Straße/Ecke Osningstraße.
Donnerstags um 18.45 Uhr proben die Laienschauspieler im Fidelitas-Treff.
www.vfv-fidelitas.de

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