Dialogforum beschenkt 141 Flüchtlingskinder

Es war der vielleicht schönste Tag ihres Jahres: 141 Flüchtlingskinder haben im Kirchsaal der evangelischen Christus-Gemeinde an der Holtestraße Geschenke bekommen. Das Lütgendortmunder Dialogforum hat die Weihnachtsfeier organisiert. Wir haben mitgefeiert - und bewegende Szenen erlebt.

Lütgendortmund. Martin Luther King hätte das gefallen: Im Kirchsaal der evangelischen Christus-Gemeinde an der Holtestraße, der nach dem amerikanischen Pastor und Bürgerrechtler benannt worden ist, herrscht Hochbetrieb. Vor dem Altarraum hocken mehr als 100 Kinder auf Sitzkissen. Kinder mit unterschiedlicher Hautfarbe aus den unterschiedlichsten Ländern. Doch an diesem nasstrüben Adventstag geht es nicht um Unterschiede, sondern um Gemeinschaft.

Die Kinder stammen alle aus Familien des Flüchtlingsheimes am Lütgendortmunder Grevendicks Feld. Mit ihren Eltern sind sie gekommen, zur Weihnachtsfeier mit Bescherung. Auf den Stufen des Altarraumes stapeln sich Geschenkpakete. Liebevoll verpackt, mit Schleifen und Sternen. Doch bevor es die Geschenke gibt, wird erst einmal gesungen. "Schneeflöckchen Weißröckchen", ein Klassiker, den viele der Kinder nun zum ersten Mal hören.

"Ich heiße sie herzlich in unserem Gemeindehaus willkommen", begrüßt Pfarrer Michael Mertins die Familien in seinem Gemeindehaus. Die Adventskerzen flackern, der gelbe Weihnachtsstern leuchtet. Für einen Moment überträgt sich besinnliche Stimmung auf die Besucher, die vielen Religionen angehören und von denen viele zum ersten Mal in einer Kirche sind.

Zum dritten Mal

Es ist bereits das dritte Mal, dass das Dialogforum eine Weihnachtsfeier für die Flüchtlinge organisiert. Dieses Forum hat sich gegründet, als die Zentrale Kommunale Unterbringungsstelle (ZKU) im Grevendicks Feld 2011 eingerichtet wurde. Denn vom ersten Tag an gab es in Lütgendortmund Frauen und Männer, die dabei helfen wollten, dass die Fremden in Lütgendortmund ein Stück Heimat finden.

Seitdem kümmern sich neben Vertretern aus den Gemeinden und Vereinen auch viele andere Lütgendortmunder um die Flüchtlinge. Sie helfen und schenken, bauen den Fremden Brücken in ihren Ort. Leute mit dem Blick für das, was benötigt wird. Leute wie Vereinschef Reinhard Sack. Als es zum ersten Mal kalt wurde in diesem Herbst, besorgte er mit seinen Helferinnen und Helfern sofort Mützen und Handschuhe für die Kinder.

Nicht lange gefragt

Auch vor der Weihnachtsfeier war die Hilfsbereitschaft groß. "Ich brauchte gar nicht lange nach Geschenken für die Kinder zu fragen", freut sich Pfarrer Mertins. Er warb in den Gottesdiensten für die besondere Bescherung. "Jeder Teilnehmer erhielt nur einen Zettel mit Alter und Geschlecht des Kindes, für das er ein Geschenk kaufen wollte. Alles andere haben die Spender entschieden. "Auch den Preis für ihr Geschenk", schildert Mertins die Prozedur.

Auch Sandra Holtmann, Leiterin der Einrichtung am Grevendicks Feld, ist von der Hilfsbereitschaft der Lütgen-dortmunder begeistert. "Bei Treffen mit Heimleitern anderer Städte erfahre ich immer, dass es ein solches Engagement woanders nicht gibt", berichtet sie während der Feier. Die geht nach ein paar Liedern mit der Bescherung weiter. 141 Kinder zwischen 0 und 15 Jahren warten auf ihre Päckchen. Entsprechend aufgeregt ist von besinnlicher Stimmung nun nichts mehr zu spüren. Pfarrer Mertins ruft immer sechs Kinder auf, die ihre Geschenke abholen können.

Richtig laut

Und auch, wenn es jetzt im Kirchsaal richtig laut wird, merkt man den Organisatoren noch den Spaß an, den ihnen diese besondere Bescherung macht. Mehrere Helferinnen und Helfer stehen dem Pfarrer zur Seite, sorgen dafür, dass jedes Kind auch das richtige Geschenk bekommt. Pfarrer Mertins liest die Namen vor. Das ist nicht immer einfach bei all den exotischen Namen. "Gut, dass ich Hebräisch gelernt habe", grinst Mertins und macht sich an die nächsten sechs Zungenbrecher.

Im Kirchsaal ist inzwischen kaum noch ein Wort zu verstehen. Väter fotografieren stolz ihre Kinder mit den Geschenken. Überall Familien, die sich ausgelassen freuen, die Pakete betasten, schütteln oder beschnuppern. Was drin ist, wollen alle erst daheim wissen. Kein einziges Kind öffnet sein Paket. Heinz-Wilhelm Siebold von der Gemeinde lacht still vor sich hin. Der mit Händen greifbare Spaß, den die Kinder haben, ist nämlich nicht nur laut, sondern auch ansteckend. Am Abend zuvor hat Siebold noch mit anderen Helfern die Pakete aufgebaut und mitgeholfen, den Kirchsaal herzurichten. "Ich mache hier jetzt seit fünf Jahren in der Gemeinde mit. Und ich habe noch keinen einzigen Tag bereut", berichtet er.

Nach knapp eineinhalb Stunden ist das letzte Geschenk verteilt und die Weihnachtsfeier beendet. "Eigentlich wollten wir zum Abschluss noch ein Lied singen", verrät Presbyter Bodo Weirauch. Aber das ist in dem fröhlichen Trubel ein wenig untergegangen, wie auch die Besinnlichkeit. Doch das stört hier niemanden.

Die Freude in den Augen

Denn die Organisatoren haben die Freude in den Augen der Kinder gesehen. "Deshalb ist die Weihnachtsfeier auch die Feier des runden Tischs, das ist auch unser besonderer Jahresabschluss", sagt Pfarrer Mertins. Was den Pfarrer besonders glücklich macht, ist die große Solidarität, die er vor der Feier erlebt hat. "Das Grevendicks Feld und die Menschen dort sind Teil des Gemeindelebens geworden", sagt er.

Auch das hätte Martin Luther King gut gefallen.