Den Alltag aktiv erleben

Gertrud Sonnenberg gefällts im neuen Pflegeheim. Foto: Jochen Linz
Gertrud Sonnenberg gefällts im neuen Pflegeheim. Foto: Jochen Linz
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Bövinghausen. Die im April dieses Jahres feierlich eröffneten Cordian Hausgemeinschaften an der Unterdelle 21 in Bövinghausen bieten Platz für 80 pflegebedürftige Menschen. 29 Personen zwischen 37 und 98 Jahren wohnen bereits in diesem schmucken Pflegeheim. Ziel der Geschäftsführung um Dr. Joachim Wilbers ist eine 100-prozentige Auslastung der Kapazitäten vor Ort. „Es wäre schön, wenn unser Haus in einem Jahr voll wäre“, so seine Wunschvorstellung. Unter Zeitdruck setzt er sich dabei indes nicht. Wichtig ist ihm vielmehr, dass sich die Menschen im Winter ihres Lebens wohl fühlen.

Was ist das Besondere an diesem neuen Heim? „Ganz klar unser Hausgemeinschaftskonzept“, sagt Wilbers. „Unsere Bewohner erleben den Tag als aktives Mitglied einer kleinen Gruppe und gestalten ihre Zeit gemeinsam mit der Alltagsbegleiterin“. An der Unterdelle ist dafür Nina Hülsmann zuständig. In einer offenen Küche bereitet sie täglich das Essen für die Heimbewohner zu. Damit hinterher ja keiner über die Auswahl schimpft, haben die Bewohner ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wenn es um die wöchentliche Speisekarte geht. „Unsere Leute helfen beim Kochen, räumen das schmutzige Geschirr ein, kümmern und betüteln sich gegenseitig. Sie spüren, dass sie hier gebraucht werden, haben eine Aufgabe. Auch das ist der eigentliche Sinn unserer Hausgemeinschaft“, beschreibt Verwaltungschefin Monica Moretti das tägliche Procedere.

In den Fluren und Aufgängen riecht es noch nach Farbe. Die Wände sind hell gestrichen, die Räume groß gehalten, transparent und haben fast etwas von einem mediterranen Flair. „Uns ist wichtig, dass die Bewohner jederzeit miteinander kommunizieren können. Jeder muss sich aber auch in seine Privatsphäre zurückziehen können. Diese Möglichkeiten dazu haben wir geschaffen. Und das wird gut angenommen“, erklärt Joachim Wilbers.

Während er die Philosophie des Hauses beschreibt, zeigt Pflegedienstleiterin Stefanie Krevert auf den hübsch angelegten Garten im Bauch des Gebäudes. Dort sitzen sieben, acht Bewohner plaudernd im Stuhl und genießen die Vormittagssonne.

Wilbers gönnt „jedem Menschen, dass er möglich lange gesund bleibt“. Doch irgendwann tritt das für viele Angehörige Unfassbare ein. Der geliebte Partner bekommt einen Schlaganfall, stürzt schwer oder erkrankt an Demenz. „Das sind im Übrigen die Hauptgründe, warum die Menschen ein Heim aufsuchen. Dann sind Fürsorge und professionelle Betreuung vonnöten. Dann sind wir als vollstationäres Pflegeheim gefragt.“

Die meisten Personen, spricht Wilbers aus Erfahrung, kämen in „einem desolaten Zustand zu uns. Oftmals sind sie vereinsamt, leben im Heim wieder auf, haben Ansprechpartner, schließen Freundschaften, erhalten regelmäßiges Essen, werden medizinisch betreut und bestens unterhalten“. Basteln, Brettspiele, Gartenarbeit, Singen, Vorbereitung aufs Sommerfest: Das Freizeitangebot sei facettenreich. Und finde Anklang, betont Wilbers.

Heimbewohner lernen sich kennen und schätzen, finden zueinander, schließen Freundschaften. Gilt das auch für Personal und Bewohner? „Aber natürlich“, betont Pflegedienstleiterin Stefanie Krevert. Sagt aber auch, dass „wir keine Hospizeinrichtung sind. Man muss dennoch wissen, dass wir die Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten. Das ist uns schon bewusst. Wir haben eine entsprechende Ausbildung hinter uns und dort auch gelernt, mit dem Thema Tod umzugehen.“