Anwohner lassen Dampf ab

Bei der Bürgerversammlung zum Thema „Grevendicks Feld“ kochten die Emotionen hoch. Foto: Jochen Linz
Bei der Bürgerversammlung zum Thema „Grevendicks Feld“ kochten die Emotionen hoch. Foto: Jochen Linz
Foto: Linz/PiLi

Lütgendortmund. Die Flüchtlinge vom Westfalendamm sollen in die Stadtsiedlung Grevendicks Feld umziehen. So hat es jüngst der Verwaltungsvorstand beschlossen. Vieles spricht dafür, dass der Rat auf seiner Sitzung am 31. März dieser Empfehlung nachkommt. Donnerstag Abend hatte die Bezirksvertretung Lütgendortmund zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Rund 230 Besucher - davon zahlreiche Anwohner - machten ihrem Ärger im evangelischen Gemeindehaus an der Westricher Straße Luft und fühlten einem hochrangig besetzten Podium mit Sozialdezernentin Birgit Zoerner an der Spitze gehörig auf den Zahn. Die Stadtteil-Zeitung fasst die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Wie viele Flüchtlinge ziehen denn nun in die Stadtsiedlung Grevendicks Feld, wenn der Rat grünes Licht gibt?

Es handelt sich um insgesamt 143 Personen, 67 Erwachsene, 60 Jugendliche (16 - 18 Jahre) und 16 Kinder in Familien. Insgesamt sind 90 Prozent jünger als 25 Jahre.

Woher kommen die Flüchtlinge?

Überwiegend aus Afrika, Asien, Südosteuropa bzw. aus den Krisen- und Kriegsgebieten Afghanistan und dem Irak.

Am 1. April soll der Umzug vom Westfalendamm in die Stadtsiedlung Grevendicks Feld erfolgen. Was gab den Ausschlag für diesen Standort?

Der Zeitfaktor, die bauliche Struktur, die idealen Räumlichkeiten sowie der Charakter einer „normalen“ Wohnsiedlung. Hinzu kommt: die Stadt spart jährlich rund 160.000 Euro gegenüber den am Westfalendamm anfallenden Mietkosten.

Hat sich die Verwaltung schon über ein Sicherheitskonzept am Grevendicks Feld Gedanken gemacht?

Ja. Dieses fußt auf vier Säulen. Ein 24-Stunden-Wachdienst. Die Installation von Kameras. Ebenso geplant: eine Pforte sowie rund zwei Meter hohe, grüne Zäune.

Der geplante Umzug der Flüchtlinge vom Westfalendamm nach Lütgendortmund entzweit die Anwohner. Die einen wollen helfen, die anderen sind tief verärgert. Warum?

Weil die Informationen von Verwaltung und Politik deutlich zu spät kamen. Darüber hinaus fürchten die Hausbesitzer einen Werteverlust ihrer Gebäude, sollten sie ihr Anwesen im Umfeld des Grevendicks Felds irgendwann verkaufen wollen. Schließlich spielt der Faktor „Angst vor erhöhter Kriminalität“ in den Köpfen einiger Bürger eine tragende Rolle.

Welche Erfahrungen hat die Polizei mit den Flüchtlingen am Westfalendamm gemacht?

Dazu der Leiter der Polizeiwache Aplerbeck, Rüdiger Denker am Donnerstag: Positive. Die Einrichtung laufe konfliktfrei. Die Kriminalitätsrate sei seit Jahren rückläufig. Der Personenkreis, um den es hier gehe, sei nicht krimineller als die Menschen, die heute Abend hier in der Bürgerversammlung säßen.

Im Grevendicks Feld sind gegenwärtig 92 wohnungslose Personen in 66 Haushalten untergebracht. Ziehen diese Menschen um, wenn die ausländischen Flüchtlinge kommen?

Nein. Wohnungslose und Flüchtlinge leben in der Anlage gemeinsam. Der Stadt stehen auf dem Areal elf Häuser zur Verfügung. In die letzten vier Gebäude am Ende der Siedlung sollen die Flüchtlinge einziehen, wobei ein Haus ausschließlich für die 60 Jugendlichen bereitgestellt wird.

Gibt es ein Betreuungskonzept für die Jugendlichen?

Ja. Angedacht ist eine professionell geführte Sprach- und Bildungsförderung. Für eine später gelungene Integration ist dies die Grundvoraussetzung. Zudem sind Alphabetisierungskurse vorgesehen. Sozialarbeiter stehen ihnen 24 Stunden zur Verfügung. Das Jugendamt will sich überdies um Freizeitaktivitäten für die jungen Flüchtlinge kümmern.

Wie geht es politisch weiter?

Die Bezirksvertretungen Lütgendortmund und Aplerbeck sowie die Fachausschüsse werden noch beraten, bevor der Rat Ende März die Entscheidung trifft.

Werden die Anwohner auf dem Laufenden gehalten?

Ja. Eine erste Bürgersprechstunde ist noch am Donnerstag Abend festgezurrt worden: Der Termin: Montag Nachmittag, 14. Februar, um 17 Uhr. Veranstaltungsort ist die Bezirksverwaltungsstelle im Amtshaus.

 
 

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