Altes Handwerk neu entdeckt

Sebastian Schulte
Auch Korbflechter zeigten ihr Handwerk beim Michaelis-Fest in Mengede. Foto: Michael Printz
Auch Korbflechter zeigten ihr Handwerk beim Michaelis-Fest in Mengede. Foto: Michael Printz
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Mengede.  Wenn Klaus Hülsmann zuschlägt, wächst kein Gras mehr. Der 48-Jährige aus Oestrich zeigt dem staunenden Publikum auf dem Michaelis-Fest am Wochenende, wo der Hammer hängt. Die Hitze, die sein Ofen auf dem Bauern- und Handwerkermarkt am Amtshaus entfacht, dürfte so manchen kräftig in Schwitzen bringen: „Das sind 850 bis 1050 Grad“, sagt der gelernte Schlosser, der als Geselle in einer Kunstschmiede gearbeitet und sich danach als Messerschmied selbstständig gemacht hat. Jetzt bietet der Metallbildhauer Kurse an – für alle, die sich für die traditionelle Herstellung von Damaststahl und Messern interessieren.

Spinnen oder schmieden

„Der vorherige Besuch eines Fitnessstudios ist nicht notwendig“, schmunzelt Hülsmann. Aber zwei Wochenenden Zeit und 450 Euro sollten Fans der scharfen Klinge schon übrig haben. „Auch Frauen sind natürlich willkommen.“ Ob der Ehemann mit dem Nudelholz oder der Amboss mit dem Hammer bearbeitet wird, scheint offenbar wenig Unterschied zu machen. Hülsmann garantiert, dass jeder der maximal drei Kursteilnehmer mit einem scharfen Schneidewerkzeug nach Hause geht. Die Griffe sind ebenfalls handgefertigt. „Den Begriff ,Waffe‘ mögen wir Messerschmiede überhaupt nicht“, sagt er. Schließlich könne auch ein Kugelschreiber zur Waffe mutieren.

Die Waffen von Silvia Hillemeyer erscheinen dagegen weniger bedrohlich. Es sind ihre Fertigkeiten, die das Publikum in den Bann zieht. Sie sitzt vor ihrem Zelt und spinnt. „Eine spinnt immer“, meint sie lächelnd und lässt das Spinnrad kreisen. „Die Technik haben Sie in höchstens 15 Minuten drauf“, erklärt die Expertin, die in Delbrück bei Paderborn zu Hause ist. 250 Euro hat ihr Reise-Spinnrad gekostet, das sechs Kilo wiegt und mit dem sie jedes Jahr von Ende Februar bis Mitte November auf den Handwerkermärkten unterwegs ist. „Wichtig ist, dass die Wolle gut vorbereitet ist“, erläutert Hillemeyer die Technik. Nicht nur Schafwolle verarbeitet sie, auch das Fell von Rind, Hund und Katze kann sich zum Spinnen eignen. „Spinnen ist meditativ“, betont Silvia Hillemeyer und lehnt sich entspannt zurück.

Bianka Wittkopp hat es das Peddigrohr angetan, aus dem sie „Kids zwischen drei bis 99 Jahren“ – mit ihrem Partner Eckart Steinfurth – Körbe flechten lässt. Bis zu einer Dreiviertelstunde dauert die Aktion. Dann hält jeder Teilnehmer ein schönes Exponat in den Händen. Auch die Perlen-Inspirationen von Kornelia Sagrillo-Zimoch verzaubern die Besucher.

Wer mehr Spaß an Autoscooter und Karussell hat, ist auf dem Marktplatz richtig. Dort hat schon am Freitagabend das Höhenfeuerwerk zahlreiche Schaulustige begeistert. Viel gefragt sind an allen drei Tagen auch die Gewerbeschau und Infostände entlang der Siegburgstraße. Der verkaufsoffene Sonntag zeigt, dass die Mengeder Mitte als Einkaufsmeile – auch durch die Ortskernsanierung – an Attraktivität gewonnen hat.