Wandel im Schatten des Turms

Der neue Bildband Was bleibt ist die Zukunft Das neue Ruhrgebiet widmet den früheren Zechen Minister Stein in Eving und Fürst Hardenberg in Lindenhorst je ein Kapitel. Das Fazit der Autoren Rolf Kiesendahl und Hartmut Kowsky-Kawelke: Der Strukturwandel ist gelungen.

Eving. In ausdrucksstarken Bildern hat Fotograf Thomas Stachelhaus das heutige Gesicht der früheren Zechenstandorte festgehalten: so zum Beispiel die Großraumdisco Prisma in der ehemaligen Schwarz- und Weißkaue von "Minister Stein". Wo einst die Kumpel sich umzogen und duschten, tanzen heute an jedem Wochenende 3000 bis 5000 Nachtschwärmer ab.

Impulse durch IBA

Ein anderes Bild zeigt das Nebeneinander von Fördermaschinen und Büros: Unter dem Hammerkopfturm nimmt ein Bürobau die Form der früheren Hängebank auf. Wo früher die Bergleute in den Förderkorb stiegen, haben jetzt Angestellte ihren Arbeitsplatz.


Der Strukturwandel gelang in Eving auch dank der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA). Ziel des Zukunftssprogramms des Landes NRW war es, mit neuen Ideen und Projekten Impulse für den wirtschaftlichen Wandel zu setzen. Heute sind die Flächen des Gewerbeparks Minister Stein fast alle vermarktet. Stark vertreten sind die Bereiche Produktion, Gesundheit, Großhandel, Dienstleistung und Logistik.

Sozialforschungsstelle

Neue Jobs sind auch im Gesundheitshaus "PueD" (Primärversorger unter einem Dach) mit seinem 80 Mitarbeitern und in der Sozialforschungsstelle entstanden, wo rund 40 Wissenschaftler Fragen der Arbeitswelt und des gesellschaftlichen Wandels untersuchen.

Auch die Fläche der früheren Zeche "Fürst Hardenberg" wird neu genutzt: 1998 siedelte sich die Firma Fiege an. In deren Megacenter bewegen 50 Festangestellte und 30 Saisonarbeiter drei Millionen Reifen im Jahr, die noch mehr an den Handel als an die Automobilindustrie geliefert werden.

Außerdem befindet sich am Standort eine Vertriebsstelle der Großbäckerei Harry Brot. Sie brauchte ein Industriegebiet wie "Fürst Hardenberg", da sie bis 1 Uhr nachts 350 unterschiedliche Brote und Backwarenprodukte geliefert bekommt. In einem Gewerbegebiet müsste die Nachtruhe eingehalten werden.

Mehrstöckige Förderkörbe

An vergangene Zeiten erinnert der wie ein Bollwerk erscheinende Malakowturm der Zeche. Er ist die Weiterentwicklung eines Schachthauses, um Dampfmaschinen und mehrstöckige Förderkörbe unterbringen zu können. Die bis zu 2,5 Meter dicken Mauern konnten die enormen Kräfte auffangen.