Überfüllte Buslinie lässt Schüler seit Wochen stehen

Marcus Friedrich
Auch nach drei Wochen hat sich das Bild an der Leveringstraße nicht geändert: Der Bus ist voll — und Ben-Justin und Lucas-Jan werden stehen gelassen.
Auch nach drei Wochen hat sich das Bild an der Leveringstraße nicht geändert: Der Bus ist voll — und Ben-Justin und Lucas-Jan werden stehen gelassen.
Foto: Oliver Schaper/Archiv
Seit drei Wochen lässt der Bus Lucas-Jan ständig stehen. Hält an der Haltestelle einfach nicht an — weil er voll ist. Dann muss Mutter Jenny Berchem ran: Sie fährt ihren Sohn und andere Kinder zur Schule. Aber warum, wo die Eltern doch 36 Euro für ein Monatsticket zahlen?

Dortmund. Jeden Morgen der gleiche Ärger: Vor rund drei Wochen berichteten wir, dass der Schuljunge Lucas-Jan Berchem an der Haltestelle "Leveringstraße" vom Bus nicht mitgenommen wurde. Doch seitdem hat sich nichts an der Situation geändert. Für die Stadtwerke ist der Grund klar: Lucas-Jans Mitschüler sind schuld.

Seine Mutter Jenny Berchem (36) muss ihren Sohn und andere Kinder morgens zur Albert-Einstein-Realschule fahren. Ihre Notlösung: Sie stellt sich mit ihrem Sohn an die Haltestelle und wartet auf den Anruf einer anderen Mutter: "Wenn der Bus vier Stationen vor uns voll ist, ruft mich eine andere Mutter an. Dann fahre ich los und sammel die Kinder ein."

Eltern zahlen Geld fürs Busticket

So könne es nicht weitergehen. Einige Eltern zahlen schließlich 36 Euro pro Monat für das Schokoticket ihrer Kinder.

Schulleiter und Politik sind schon eingeschaltet. Karl-Heinz Rauschning, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hostedde-Grevel, macht den Eltern Hoffnung: "Ich war auch schon direkt betroffen. Wir werden die Schüler und Eltern unterstützen."

Auch eine Unterschriftenaktion hat die Mutter gestartet. 70 Eltern haben schon unterschrieben. "Das zeigt, dass viele Eltern mit dem Problem zu kämpfen haben", so Berchem. Sie hofft, mit der Aktion DSW21 für das Thema zu sensibilisieren. "Ein zweiter Bus würde vieles leichter machen", glaubt Berchem.

Stadtwerke sehen kein großes Problem

Die Stadtwerke sehen die Situation nicht so problematisch. In den letzten zwei Wochen hat sich ein DSW-Mitarbeiter von DSW21 morgens vor Ort ein Bild von der Situation gemacht.

Die Erkenntnis: "Die Busse waren nicht so voll, dass keine Fahrgäste mehr mitfahren konnten. Das Problem ist, dass viele Schüler an den Türen stehen bleiben und nicht durchrücken. So kommen die Fahrgäste an den folgenden Haltestellen nicht mehr in den Bus", meint DSW-Pressesprecher Bernd Winkelmann.

Daher sei ein Ersatzbus (100.000 Euro pro Jahr) nicht nötig. Vielmehr appelliert Winkelmann an die Fahrgäste: "Sie müssen einfach diszipliniert durchrücken. Unsere Fahrer weisen die Gäste per Durchsagen darauf hin."

Schulleiter: Mehr Schüler brauchen mehr Platz

Schulleiter Rainer Häger von der Albert-Einstein-Realschule kennt das Thema seit Jahren. "Schon damals haben wir die gleichen Argumente gehört. Ich finde die Situation sehr bedauerlich. Wir haben einen Zuwachs an Schülern, daher sind neue Kapazitäten nötig."

Laut DSW21 ist die Kapazitätsgrenze aber erreicht: Mit einem Gelenkbus ist bereits der größte Bus im Einsatz — mit 50 Sitzplätzen und 100 Stehplätzen.