Mieter der MSA-Siedlung soll "Sanierungs-Darlehen" zahlen

Immer wieder gibt es Ärger um die MSA-Siedlung im Dortmunder Stadtteil Scharnhorst., hier ein Haus an der Labandstraße. Foto: Michael Printz
Immer wieder gibt es Ärger um die MSA-Siedlung im Dortmunder Stadtteil Scharnhorst., hier ein Haus an der Labandstraße. Foto: Michael Printz
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Scharfe Kritik erntet der Vorschlag des Eigentümers von 505 Wohnungen in der Scharnhorster MSA-Siedlung, dass Mieter der Familie Bouchner ein Sanierungs-Darlehn geben. Das sei eine „freche“ Antwort auf den Offenen Brief. Der Mieterbeirat rät, dass Mieter ihre Rechte in Anspruch nehmen.

Scharnhorst. In einem offenen Brief an die Eigentümer beklagten am 18. Juli die Mieter der MSA-Siedlung in Scharnhorst erneut den Sanierungsstau und forderten Investitionen sowie ein Entwicklungskonzept. Die Antwort des Eigentümers der 505 Wohnungen, Familie Bouchner aus Peetsch in Mecklenburg-Vorpommern (Hausverwaltung in Düsseldorf), erzürnt nun MSA-Mieterbeirat, SPD-Ortsverein und Mieterverein Dortmund/Umgebung, die darin eine „freche Hinhalte-Taktik“ sehen.

Zwar gibt Unterzeichner Claus Bouchner an, dass er an einem weiteren Dialog interessiert sei und die (Teil-)Privatisierung mangels Interesse nicht weiter verfolgt werde. Da durch die ausbleibenden Erlöse nun Geld fehle, sucht er ein neues Modernisierungs-Konzept. Der Aufreger dabei: Er schlägt vor, die Mieter einzubinden. Sie könnten - bei „attraktiver Verzinsung“ - zweckgebunden Darlehn aufnehmen. Für Ulrike Matzanke (SPD), die seit Jahren ausstehende Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen einfordere, „ein starkes Stück Dreistigkeit“ und „völlig falscher Weg“, zumal die Mieter durch die fehlende Infrastruktur genug belastet würden.

Auch der Mieterverein kritisiert die Idee als erneutes Vertrösten mit neuen Ausreden: „Die Bouchner GbR versucht mit absurden Vorschlägen wie den Mieterdarlehn von ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur ordnungsgemäßen Instandhaltung der Wohnungen abzulenken“, meint der wohnungspolitische Sprecher Dr. Tobias Scholz und verweist auf günstige Sanierungs-Fördermittel von der KfW oder vom Land NRW. „Wir können nur alle Mieter aufrufen, ihre Mieterschutzrechte konsequent in Anspruch zu nehmen“, etwa Mietminderung bei „Schrottfenstern“. Bouchner solle den Ärger der Mieter „auch finanziell spüren“, dann könnte sich die Wohnsituation verbessern.

Mieterbeiratssprecher Mohssin El-Asri schimpft: „Bouchner kassiert seit über zehn Jahren unsere Mieten, hat diese zum Jahresanfang erhöht und hat kein Geld für die Sanierung? Wo hat er das Geld investiert?“ Matzanke glaubt, dass die Bouchner GbR dies nicht zweckgebunden verwendet habe, so dass nun wohl Geldmangel herrsche. Sie erwartet, dass Bouchner kurzfristig mit den versprochenen Sanierungsmaßnahmen beginne. „Dies ist für ganz Scharnhorst von großer Bedeutung.“

Mieter sollen Mängel nennen

Gemeinsam mit dem MSA-Mieterbeirat werde der Mieterverein eine Mängel-Erhebung in der Siedlung durchführen, um herauszufinden, in welchen Häusern welche Probleme vorhanden sind. „Die Bewohner erhalten von uns in der kommenden Woche einen Fragebogen“, so Scholz, der damit zum Nachdenken und zur Wahrnehmung der Rechte animieren will.