Kirche in Dortmund lässt Pokémon auf Friedhof jagen

Auf dem Friedhof in Dortmund-Kurl jagten am Donnerstag 20 Schüler Pokemons.
Auf dem Friedhof in Dortmund-Kurl jagten am Donnerstag 20 Schüler Pokemons.
Foto: Patrick Seeger (dpa)
Wie lassen sich Jugendliche für Religion begeistern? Eine Dortmunder Schule hatte eine Idee und lud Kinder auf einen Friedhof ein – zur Pokémon-Jagd.

Dortmund.. Eine Rundtour in Sachen Religion - das klingt für viele Teenager wohl ziemlich langweilig. Damit der Einblick ins Kirchenleben nicht allzu trocken blieb, hatten die Organisatoren eines Projekttages für 20 Schüler aus Dortmund-Scharnhorst eine Pokémon-Jagd geplant - quer über den Kurler Friedhof. Es gab aber ein Tabu.

Das Klosterleben, soziales Engagement und Gottesdienste waren einige der Bereiche, die den Fünft- und Sechstklässlern der weiterführenden Schulen aus Scharnhorst bei dem Projekttag rund um die Kirche am Donnerstag nähergebracht werden sollte. Die letzte Station war der Friedhofsbesuch in Kurl - und da ging es für die Schüler auf Pokemon-Jagd.

"Wir wollten ein für Schüler eher langweiliges Feld möglichst interessant gestaltet", erklärt Gemeindereferent Manfred Morfeld wenden, der den Projekttag von Seiten der katholischen Kirche Nordost begleitete. Die Idee dazu habe eine Lehramtsanwärterin der Hauptschule Scharnhorst gehabt. Und dafür musste der Gemeindereferent nicht erst überzeugt werden. "Ich fand die Idee direkt super und es kam auch bei den Kindern richtig gut an", sagt Manfred Morfeld.

Friedhof spielerisch kennenlernen

Die angehende Lehrerin habe im Vorhinein die Pokémon-Standorte auf dem Friedhofsgelände ausfindig gemacht. An jedem Fundort war dann gleichzeitig eine Aufgabe für die Schüler hinterlegt, so Manfred Morfeld. "Sie sollten sich beispielsweise notieren, was auf entsprechenden Grabstellen zu sehen ist. Auf diese Weise konnten sie den Friedhof spielerisch kennenlernen."

Dass die Aktion als pietätlos empfunden werden könnte, das sieht der Gemeindereferent nicht. "Wir haben den Kindern natürlich gesagt, dass sie sich dabei ruhig verhalten sollen und das hat auch super funktioniert. Pokémon-Kampfarenen waren natürlich tabu", so Manfred Morfeld. Denn Kämpfe würden dann doch nicht in die ruhige Atmosphäre eines Friedhofs passen.

Keine Pokemons in Auschwitz und am Kölner Dom

Während man den Pokemon-Jagden in Dortmund auch an "besinnlichen" Orten gelassen gegenüber steht, wurden anderenorts Grenzen gesetzt. Pokémon in der Gedenkstätte Auschwitz hatten im Juli für Empörung gesorgt. Man forderte die Macher von Pokémon Go anschließend dazu auf, das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers aus dem Spiel zu entfernen. Und auch der Kölner Dom wurde Ende Juli zur Pokémon-freien Zone erklärt.

Weil die Aktion bei den Schülern so gut ankam, soll sie auch noch diesen Herbst mit Grundschülern wiederholt werden und im Erfolgsfall als feste Aktion im Gemeinde- und Schulleben verankert werden.

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