„Katastrophalen Zustand beenden“

Alexander Ebert
Herbert Niehage, Erwin Bawulski und Claus Peiler wollen den Kurler Bahnhof in die Neuzeit versetzen. Foto: Michael Printz
Herbert Niehage, Erwin Bawulski und Claus Peiler wollen den Kurler Bahnhof in die Neuzeit versetzen. Foto: Michael Printz
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Kurl.  Der Bahnhof in Kurl befindet sich seit Jahren in einem miserablen Zustand. Zahlreiche Anläufe, das denkmalgeschützte Gebäude zu einer modernen Adresse zu entwickeln, scheiterten - an der Bahn, der das Haus gehört. Jetzt gründete sich eine Bürgerinitiative, die den „katastrophalen Zustand“ nicht nur beklagen, sondern die Adresse mit neuem Leben bereichern will. Das Trio sucht Mitstreiter. Und zwar möglichst viele.

„Alles Jammern nützt nichts.“ Herbert Niehage sitzt auf dem Bahnsteig. Sein Blick schweift rüber zu den Fahrgästen, die gerade in den Regionalzug nach Dortmund-Mitte einsteigen. „Hier ist richtig was los“, sagt er, „dieser Vor-Ort-Bahnhof ist mit bis zu 2 000 Fahrgästen pro Tag sehr stark frequentiert. Morgens kriegen Sie hier keinen Sitzplatz.“ Trotzdem verkomme der Kurler Bahnhof, den übrigens auch Scharnhorster gern nutzen, zusehends.

Dunkelheit und Dreck

Wenig Licht, zugenagelte Fenster, zerbrochene Scheiben, Dreck, Treppenanlagen ohne Rücksicht auf Behinderte. „Ein Schandfleck ist das“, sagt Erwin Bawulski, der neben Niehage sitzt, „und ein Angstraum, besonders, wenn es dunkel ist.“ Bawulski kennt jede Stufe des Bahnhofs, seit Jahren durchquert er als Fahrgast das Gebäude zweimal täglich. Auch Claus Peiler, der dritte Kurler auf der Bahnsteigbank, versteht nicht, „warum sich hier nichts tut“ - er kenne alleine zwei Frisöre, die ihr Handwerk gern in dem Bahnhofsgebäude anbieten würden - wenn es denn eine vorzeigbare Adresse wäre. Das Trio will nun eine Bürgerinitiative gründen, um „die katastrophalen Zustände im und um den Bahnhof Kurl“ zu beenden.

Um den Zustand zu beenden, hat sich das Trio mehrere Punkte überlegt. Erstens: Das Gebäude mit seinen Jugendstilelemente erhalten. Zweitens: Sicherheit der Fahrgäste erhalten und Barrierefreiheit für Behinderte, Senioren, Frauen mit Kinderwagen, Fahrradfahrer etc. erreichen. Drittens: Das Umfeld des Gebäudes soll schöner werden. Viertens: Örtliche Unternehmer gewinnen, die ihre Produkte anbieten (vom Frisör über Backshop und Kiosk bis zur Pizzeria). Ausreichend Gebäuderaum sei vorhanden, der früher zugemauert wurde. Fünftens: Den Vandalismus begrenzen. Peiler sagt: „Je schlechter es hier aussieht, um so schlimmer wird’s.“ Diese Abwärtsspirale wollen Peiler, Bawulski und Niehage durchbrechen.

Bezirksbürgermeister Rüdiger Schmidt (zurzeit a. D.) lobte gestern in einer ersten Reaktion das Engagement der Kurler. Die gesamte Bezirksvertretung würde sich freuen, wenn es an der Mühlackerstraße Fortschritte gäbe. Er wünsche der Initiative viel Erfolg und viele Mitstreiter - und biete seine Hilfe an, wenngleich „alle, die ich kenne“, an der Bahn-Starre gescheitert seien. Aber vielleicht gelinge es ja, das Gebäude an den richtigen Mann zu bringen. Dann wäre der Weg frei für eine bitter nötige Sanierung und Umfeldgestaltung.

Vorbild „Lanstroper Ei“

Die Keimzelle der Bürgerinitiative „Pro Bahnhof Kurl“ hat bereits ähnlich schlechte Erfahrungen mit der Bahn gemacht. Zuständigkeiten seien unklar, Antworten auf E-Mails blieben aus. Dennoch wollen sie nicht locker lassen. Aktuell gucken sie nach Lanstrop, wo das rostige Ei vor einer Sanierung steht. Bawulski: „Das müssten wir doch hier auch irgendwie schaffen.“ Vielleicht solle die Stadt einen (weiteren) Vorstoß zum Erwerb der Immobilie machen. Dann könnte man mit Hilfe des Bürgerengagements die Adresse in die Neuzeit überführen. „Sponsoren würden sich wohl finden“, meint Niehage, der auch den örtlichen Heimatverein hinter der Sache weiß.

Die Bahn AG sah sich gestern nicht in der Lage, Auskunft zu ihrer Liegenschaft in Kurl zu geben. Man werde sich aber so bald wie möglich melden, hieß es per E-Mail.