Islamisten-Netzwerk: Wohnung in Scharnhorst durchsucht

Bei der bundesweiten Großrazzia gegen ein radikal-salafistisches Netzwerk ist am Dienstagmorgen auch eine Wohnung im Stadtteil Scharnhorst durchsucht worden. Offenbar wurde von hier aus die Arbeit des Netzwerks "Die wahre Religion" in Dortmund organisiert.

Scharnhorst.. Vor genau einer Woche war in Dortmund bereits ein mutmaßlicher IS-Unterstützer festgenommen worden. Rashid B. hat offenbar nie einen Hehl aus seiner Arbeit gemacht. Bereits kurz nach seinem Einzug in eine Großsiedlung im Stadtteil Scharnhorst fielen den Nachbarn Kleintransporter mit belgischem Kennzeichen auf. Die Wagen kamen regelmäßig, ihre Ladungen verschwanden im Keller von B.: Koran-Übersetzungen der umstrittenen "Lies!"-Kampagne, die später in der Innenstadt verteilt werden sollten.

Am Dienstagmorgen dann interessierten sich nicht mehr nur die Nachbarn für Rashid B.. Polizeibeamte fuhren vor und durchsuchten nach einem Verbot der Vereinigung durch den Bundesinnenminister den Keller als auch die Wohnung von B.. Und sie wurden fündig, noch mehrere Stunden nach dem Durchsuchungsbeginn gegen 6.30 Uhr hielten sich Beamte in der Wohnung von B. auf.

35 Objekte in NRW durchsucht

Die Wohnung von B. war eines von 35 Objekten, die in NRW durchsucht wurden, insgesamt wurden in zehn Bundesländern 200 Wohnungen und zwei Moschee-Vereine durchsucht. Denn das Netzwerk "Die wahre Religion", das seit 2010 besteht, gilt als radikal-salafistisches Missionierungsnetzwerk mit mehreren hundert Anhängern deutschlandweit.

Auch B. stand noch vor vier Tagen, am vergangenen Samstag, mit Mitstreitern in der Dortmunder Innenstadt, dort versuchte er, Korane an Passanten weiterzugeben. Nach Überzeugung der Ermittler hat sich die Gruppe aber nicht nur auf die Verbreitung des Korans beschränkt. Laut Innenminister Thomas de Maizire sind bislang rund 140 junge Islamisten aus Deutschland in die Gebiete der sogenannten "Islamischen Staates" ausgereist.

Schon länger stand die "Lies!"-Aktion unter dem Verdacht, eine Kampagne für den radikalen Islam zu sein. Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger hatte "jeder fünfte Salafist, der aus NRW in die Gebiete des sogenannten IS ausgereist ist, um sich dort Terrorgruppen anzuschließen, zuvor Kontakt zu "Lies!".

So war auch der aus Dortmund stammende Christian L. , der sich Anfang September 2016 mit einem IS-Propaganda-Video aus dem irakisch-syrischen Grenzgebiet meldete und zu Anschlägen in Europa aufrief, vor seiner Ausreise in Dortmund als aktives Mitglied bei "Lies!"-Verteilaktionen gesehen worden.

Jeder Fünfte hatte Kontakt

Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger hatte "jeder fünfte Salafist, der aus NRW in die Gebiete des sogenannten IS ausgereist ist, um sich dort Terrorgruppen anzuschließen, zuvor Kontakt zu "Lies!". Jäger weiter: "Mit dem bundesweiten Verbot haben wir jetzt endlich eine zuverlässige rechtliche Handhabe, damit die Stände aus unseren Fußgängerzonen verschwinden."

Durch die Durchsuchungsaktion bei B. dürfte der jetzt zumindest keine Korane mehr haben, die er verteilen kann. Dass er sich auch in Missionierungen der sogenannten Ungläubigen versuchte, können die Nachbarn von B. am Dienstag bestätigen. Eine Nachbarin, die ihn offensiv auf seine Gesinnung angesprochen hatte, wollte er zu einem längeren Einzelgespräch bitten. Und einen im Haus wohnenden Rentner sprach er im Keller an.

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