Gift-Verdacht bei Recycling-Firma in Dortmund-Eving erhärtet sich

Das Landesamt LANUV nahm Freitagmittag im Auftrag der Unteren Umweltschutzbehörde Bodenproben bei der Evinger Firma, die Bauschutt nicht ordnungsgemäß entsorgt haben soll.
Das Landesamt LANUV nahm Freitagmittag im Auftrag der Unteren Umweltschutzbehörde Bodenproben bei der Evinger Firma, die Bauschutt nicht ordnungsgemäß entsorgt haben soll.
Foto: Knut Vahlensieck
In blauen Anzügen und mit Mundschutz nahm das Landesumweltamt LANUV am Freitag Bodenproben in Eving. Eine Recycling-Firma soll dort illegal Bauschutt und giftiges Quecksilber gelagert und entsorgt haben. Dortmunds Staatsanwalt: „Es handelt sich nicht ausschließlich um gereinigtes Glasmaterial.“

Eving.. Der Verdacht, dass eine Evinger Recycling-Firma im Liesenhoffweg illegal Bauschutt mit womöglich giftigen Substanzen gelagert und entsorgt haben könnte, hat sich verdichtet. „Wir gehen mittlerweile von gefährlichen Abfällen aus, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist“, sagte eine Behördensprecherin.

Freitagmittag bat die zuständige Untere Umweltschutzbehörde mit Sitz in Hagen die Dortmunder Polizei, das seit Mittwoch von ihr versiegelte Gelände nahe der Evinger Straße zu öffnen, damit das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) Bodenproben nehmen konnte.

Diskussionswürdige Erst-Ergebnisse

Eigentlich sollten bis dato bereits Ergebnisse von Materialproben und Glasscherben vorliegen, ob sich in den Bergen von Schutt und geschredderten Leuchtstoffröhren bzw. Energiesparlampen giftiges Quecksilber befand. Dabei gab es laut eines LANUV-Sprechers am Donnerstag Indizien, die weitere Untersuchungen notwendig machten. „Das ist wie bei einer Rasterfahndung“, erklärte er auf Anfrage die komplexe Herangehensweise, zumal auch Proben von umliegenden Betrieben genommen würden.

Die zuständige Umweltschutzbehörde hatte tags zuvor die Kriminalpolizei beauftragt, das Gelände in Eving zu versiegeln, da nun mitten im Untersuchungszeitraum Bauschutt von dort weggeschafft wurde. „Das nährt unseren Verdacht, dass da etwas nicht in Ordnung ist“, sagte die stellvertretende Umweltschutzbehördenleiterin Petra Hille vor Ort. „Seit Jahren haben wir den Geschäftsführer aufgefordert, keinen illegalen Abfall auf seinem Gelände zu lagern. Kaum wird gegen ihn staatsanwaltschaftlich ermittelt, lässt er möglicherweise Beweismittel abtransportieren.“ Dabei soll es sich um einige Tonnen gehandelt haben.

Allumfassende Untersuchung

Wo in der letzten Woche noch ein Schuttberge neben dem anderen stand, ist nun an mehreren Stellen gähnende Leere. Nur Glassplitter sind dort auf dem Boden zurückgeblieben - möglicherweise von nicht ordnungsgemäß gewaschenen Leuchtstoffrohren mit giftigen Resten. „Dass es dort Quecksilber gibt, ist für mich eigentlich unstrittig, das wird schon durch Inaugenscheinnahme deutlich“, meinte Hille, ohne allerdings eine konkrete Gefahreneinschätzung vornehmen zu können. Daher ließ sie am 1. August mit dem Umweltdezernat der Kriminalpolizei das mehrere tausend Quadratmeter große Gelände zur Gefahrenabwehr absperren - im Beisein eines Anwalts, der das beschuldigte Geschäftsführer-Paar (22 und 43 Jahre alt) juristisch vertritt.

Eine allumfassende Untersuchung soll klären, wie vergiftig das Material, der Boden und auch der Staub sein könnten. „Als wir Proben nahmen, wirbelten einige Böen Luftpartikel in die Luft“, so Hille. „Eine starke Immission ist auf jeden Fall vorhanden, hoffentlich ist der Staub nicht belastet.“ Womöglich müssten dann Halden sicherheitshalber abgedeckt werden.

Keine Genehmigungen

Hinzu komme, dass für den Abfall keine rechtlichen Abtransport-Genehmigungen vorgelegen hätten. So fehle auf einem Lkw vor der Firma etwa der entsprechende Zertifikats-Aufkleber. Da die Behörden wissen, dass womöglich vergifteter Bauschutt z.B. nach Herdecke gebracht wurde, wurde auch die Bezirksregierung Arnsberg eingeschaltet.

Läuft hier im Dortmunder Norden nach Envio womöglich gerade ein neuer Umweltskandal an? Dazu sagt Petra Hille von der Unteren Umweltschutzbehörde: „Ich hoffe nicht.“

 
 

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