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Forensik-Prüfung für „Erlensundern“ verzögert sich um Wochen

Forensik-Prüfung für „Erlensundern“ verzögert sich um Wochen

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Foto: WAZ FotoPool
Bis Ende Januar wollte das NRW-Gesundheitsministerium den möglichen Forensik-Standort „Im Erlensundern“ an der Stadtgrenze Dortmund/Lünen prüfen und bewerten. Das dauert jetzt länger — und zwar eher Wochen als Tage.

Dortmund/Lünen. 

Hintergrund: „Wir prüfen an fünf Standorten in Nordrhein-Westfalen gleichzeitig Alternativen. Das soll zwar schnell gehen, muss aber rechtlich sauber sein“, sagte Ministeriumssprecher Christoph Meinerz, warum sich der anvisierte Zeitplan verschiebt. Unabhängig davon wollen laut Meinerz Gesundheitsministerin Steffens und NRW-Maßregelvollzugs-Chef Dönisch-Seidel dennoch zur Bürgerversammlung am Montag, 4. Februar, in die Gesamtschule Scharnhorst kommen.

Bei der Argumentation, was gegen das Landschaftsschutzgebiet nahe Lanstrop spricht, führen sowohl die Städte Dortmund und Kamen als auch die Partei Die Linke sowie der Lanstroper Bürger Klaus Müller nun auch Bergbau-Gründe an.

Bergbau-Folgen könnten Neubauten schädigen

Laut Stadtverwaltungen könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der ehemalige Kohleabbau (das Bergwerk Ost stellte im September 2010 die Kohleförderung ein) auch heute noch schädigend auf die dortige Tagesoberfläche auswirke. Mehrkosten für eine senkungs- und setzungsfreie Bauausführung seien zu berücksichtigen. Das müsse die Bezirksregierung Arnsberg prüfen.

Forensik LünenDort hat der langjährige Bergmann Klaus Müller schon angefragt. Der Ruheständler, der an der Lanstroper Straße groß wurde, verweist auf die alten Flöze in dem Gebiet. „Östlich der Dammstraße sind schon 20 Meter abgegangen, das Loch dort kann ja jeder sehen.“ Das sei ein schleichender Prozess, der über Jahre gehen kann. „Die Bezirksregierung will das aber nicht wahr haben“, hat Müller einem Antwortschreiben entnommen. Sie habe ihn an die RAG zwecks Höhenmessungen und das ehemalige Landesvermessungsamt verwiesen.

Auch die Links-Fraktion im Dortmunder Rat und in der Bezirksvertretung Scharnhorst halten den Standort Im Erlensundern aus bautechnischen und Umweltschutz-Gründen für eine Forensik ungeeignet. Die Fläche sei bergbaulich stark genutzt worden. Gleich mehrere Zechen, wie z.B. die Kurler Zeche, hätten Im Erlensundern stark untergraben, so dass dort „eine massive Gefahr“ von Bergschäden und -senkungen vorhanden sei. So habe sich in der Gegend mit dem Lanstroper See ein Bergsenkungssee gebildet.

Bürgermeister kritisieren Pläne ungewohnt scharf

In ungewöhnlicher Schärfe und im Schulterschluss mit Kamens Bürgermeister Hermann Hupe kritisierte OB Ullrich Sierau am Dienstag erneut die Gedankenspiele von Gesundheitsministerin Steffens, den Standort „Erlensundern“ für eine weitere Forensik für psychisch kranke Straftäter zu nutzen.

Standort ErlensundernDer Standort „ist einfach ungeeignet“. Und was OB und Bürgermeister zudem stört: die schlechte Informationspolitik des Ministeriums, die darin gipfele, „dass man uns sagt: ‘Was in Lünen passiert, geht euch nichts an’“, so Sierau. Für ihn steht fest: „Eine Forensik ist immer ein sensibles Thema“ – und ein regionales dazu. Da sei Transparenz oberstes Gebot.

Hupe: Das Vorgehen des Ministeriums habe „größte Irritationen“ ausgelöst. Sierau sagt’s plastischer: „Bei dem Thema muss man auch als Land einen Arsch in der Hose haben“. Doch die Stadtspitzen wollen nicht weiter zusehen, sie haben sich mit Argumenten munitioniert. Das Ergebnis: „eine systematische Analyse mit völligem Konsens“.

„Ausbau vorhandener Strukturen prüfen“

Diese Aspekte wurden und werden planungsrechtlich unter die Lupe genommen: Regionalplan (eine Änderung müsste her), Verkehrserschließung über Dortmund (Kosten: rund 850 000 Euro), Abwassererschließung (bis zu 800 000 Euro), Freiraumentwicklung, Landwirtschaft, Grundwasser, Bergbau und Lärmimmission (nachts ist es zu laut) sowie Planrecht. Schutz für Natur und Landwirtschaft, Naherholung und die Prämisse „auf gewachsene Standorte statt neue zu setzen“, die Ergebnisse in praktisch allen Fällen legten den Schluss nahe, den Standort zu verwerfen.

Sierau riet am Dienstag einmal mehr, den Ausbau vorhandener Strukturen zumindest zu prüfen. Und ließ durchblicken, dass die Einrichtung in Aplerbeck nicht optimal ausgelastet sei. Derweil scheint sich das Ergebnis der Prüfung seitens des Ministeriums um weitere Wochen zu verschieben.