Die kleine Straße ohne „e“

Inzwischen stimmt das Schild in der kleinen Evinger Straße. Foto: Jochen Linz
Inzwischen stimmt das Schild in der kleinen Evinger Straße. Foto: Jochen Linz
Foto: Linz/PiLi

Eving.. Die „Hilbckstraße“ in Eving ist eine etwas andere Straße. Meist wird sie falsch geschrieben (oft mit „e“), in manchen Karten taucht ein Teil gar nicht erst auf - um nur einige Beispiele zu nennen.

Die kleine Hilbckstraße liegt im Grünen zwischen Derner Straße und Eisenbahnlinie. Man spricht sie hilfsweise mit einem „e“, buchstabiert sie am besten phonetisch wegen der Varianten Hilbek, Hilpk und Hilbk. Selbst ein Straßenschild der Stadt war jahrelang falsch (was aber auch lange keinem aufgefallen war). Namensgeber war der Bergwerksdirektor Georg Friedrich Alexander Hilbck (1841 bis 1908). Vor 1914 hieß sie Westfaliastraße wie die Straße am Dortmunder Hafen auch. Nach der Gebietsreform konnte es aber keine zwei Hilbckstraße geben ...

Die Nummern 2o bis 54 sind eigentlich nur das fünfte Ärmchen der gerade verlaufenden Straßenseite mit sonst vier kleinen Privatwegen und zumeist Häuschen in Querrichtung. Sie stammen aus den Fünfzigern mit dem Charme der Siedlungen für Hoeschianer. Deshalb gibt es neben den Hausnummern 20 ff beidseitig, und also auch auf der gegenüberliegenden Seite, gerade Nummern.

Das Straßenschild hängt aber An der Westfalenburg. Das macht fast nichts, denn das Schild sieht man sowieso erst auf den zweiten Blick, wenn überhaupt.

Dieser längste der Privatwege von einst hat sich ganz schön verändert. Aus einem holperigen Abhang, an dem wintertags noch schlittengefahren werden konnte, wurde eine schmucke kleine Straße. Unter großer Anteilnahme der Anwohner fand dann auch vor 30 Jahren die öffentliche Widmung statt.

Heute weiß man in der Hilbckstraße nicht mehr viel davon, dass hier Wohnraum für Flüchtlinge entstand. Die Häuschen sind nicht mehr mit zwei bzw. vier Familien bewohnt sondern nur noch mit einer oder höchstens einer großen. Es gibt auch keine Waschzuber mehr, sondern richtige Badezimmer und die meisten Häuschen haben jetzt auch eine Heizung und Thermopanescheiben.

Die letzten Häuser von Nr. 20 bis 54 liegen eigentlich an der Derner Straße. Auswirkungen auf die Nummerierung hat das aber nicht. Außer bei den letzten beiden Häusern. Die liegen nämlich mit der Parterre an der Hilbckstraße und mit der ersten Etage an der Derner Straße.

Helga Nolte wohnt seit 25 Jahren vor Ort. Sie weiß: „So mancher Taxifahrer fragt nach einer Irrfahrt nach der Adresse. Wer früher einen Krankenwagen bestellte, musste sich an den Straßenrand stellen und den Fahrer von dort aus an die richtige Stelle lotsen.“ Aber auch heute ist nicht auf jedes Navi Verlass.

Haus 56 verschwunden

Ähnlich sieht das ihre Nachbarin Silke Kaudasch, die seit vier Jahrzehnten in der Siedlung lebt. „Auch der Notarzt fragt sich hin und wieder durch - selbst Briefträger kennen sich nicht immer aus.“ Die Postboten fragen gelegentlich nach den Häusern Derner Straße 1 bzw. 3. Dabei müssten sie eigentlich auch fragen, wo das Haus Hilbckstraße 56 geblieben ist, das noch auf einem Straßenschild angekündigt wird. Verschwunden im Bergsenkungsgebiet?

Hauptsache, schön langsam fahren. Auf dem alten Stück der Straße hat man zwar Vorfahrt, aber das weiß eh keiner. Das Dreieckschild ist genauso gut im Grünen versteckt wie das Straßenschild selbst. Man sieht nur, wenn man glücklich auf die „Westfalenburg” hinausgelangt ist, dass man sich jetzt in einer 30er Zone befindet, was ja für die übrige Straße nur heißen kann, dass vorher noch kurz Gas gegeben werden durfte.

Jahrelang nur als natürlicher Kinderspielplatz genutzt, wurde nämlich im Wege der Lückenbebauung auf der ungeraden Straßenseite ein großer unbebauter Platz mit drei rotziegeligen Häuserreihen von Eigentumswohnungen bebaut. Man sagt, es wären da auch circa hundert Kinder miteingezogen. Auf jeden Fall gibt es jetzt auch ungerade Hausnummern … und mehr Leben auf der Straße.

Mit der Verständigung unter den neuen und alten Nachbarn (man spricht auch deutsch) steht es ganz gut. Man hilft sich gegenseitig. Zum Beispiel durch das Ausleihen von Werkzeug oder den Verkauf von Brötchen, Brot, Kuchen, Kartoffeln oder Gemüse. Aber man steht auch am Zaun zusammen oder fachsimpelt über ein Problem.

Vielleicht reicht es ja sogar mal für ein Straßenfest. Das haben die Pohlbürger schon vor 30 Jahren angeregt.

 
 

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