Bibliotheksleiterin geht nach 42 Jahren in den Ruhestand

Großer Bahnhof für große Verdienste: Zum 31. März geht Bibliothekarin Ruth Gierok in den Ruhestand. Sie hat den Beruf 42 Jahre ausgeübt - davon die Hälfte in Brackel.

Brackel. Ruth Gierok prägte die Bücherei über Jahrzehnte mit vielen guten Ideen und Projekten und sorgte für den großen Stellenwert der Lese-Institution an der Oberdorfstraße für den ganzen Stadtbezirk.

Lesepassion als Beruf

"Bei uns zu Hause wurde immer gelesen", erklärte die 60-Jährige ihre Leseleidenschaft. "Auch war mein Großvater ein guter Märchenerzähler. Er dachte sich Geschichten aus, die hier in der Gegend spielten", schilderte die Dortmunderin, die in Körne und Schüren aufwuchs. Ihre Großeltern lebten in Brackel. Was lag da näher, als die Lesepassion zum Beruf zu machen?
Nach einer Lehre in der Buchhandlung Güting und dem Studium des Bibliotheks- und Informationswesens an der Fachhochschule Köln arbeitete sie zunächst in der Fachhochschul-Bibliothek: "Da war es mir allerdings zu langweilig, weil ich nur katalogisiert habe." Deshalb wechselte Ruth Gierok in die Dortmunder Zentralbibliothek und dann zur Bibliothek West an der Dorstfelder Brücke.

21 Jahre an der Spitze in Brackel
21 Jahre lang leitete sie die Zweigbibliothek Brackel. Wie hat sich in dieser Zeit das Leseverhalten verändert? "Früher wurde darüber diskutiert, ob Kinder und Jugendliche Enid Blyton lesen sollten. Für uns war es einfach nur wichtig, dass sie gelesen haben", sagte sie.
Heute würden bei den Kindern und Jugendlichen die neuen Medien eine große Rolle spielen. Der Lesenachwuchs interessiere sich besonders für Fantasy, Mystery, fremde Welten. Entscheidend bei der Auswahl sei auch, was Freunde oder die Schulklasse gerade lese.

Seniorin wollte Erotikroman lesen
Bei den Erwachsenen hingegen habe sich nicht viel geändert. Sie wählten ihre Lektüre nach Anregungen aus Radio und Fernsehen oder nach den Bestsellerlisten aus.

"Letztens wollte eine Seniorin unbedingt ‚Shades of Grey‘ lesen", berichtete die Bibliotheksleiterin schmunzelnd. Nachher habe sie zwar befunden, dass dieser erotische Roman "Käse" sei, doch nun könne sie mitreden.
Eine große Lücke
"Du reißt eine Lücke, an der der Stadtbezirk eine ganze Weile zu knacken haben wird", sagte Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka. Er denke zurück an die Hunderte von Lesungen mit begeisterten Kindern und an all das, was die Bibliotheksleiterin gemanagt habe.

Er kam auch auf ihre Beharrlichkeit zu sprechen, wenn es darum ging, Geld von der Bezirksvertretung zu bekommen, um neue Bücher oder auch Hörbücher und Spiele anzuschaffen. So habe sie ein attraktives Angebot für die Nutzer geschaffen.
"Die Bibliothek trägt Ihre Handschrift und ist geradezu ein Infrastrukturmerkmal für Brackel", lobte Ulrich Moeske, Leiter der Stadt- und Landesbibliothek. Der Bibliotheksdirektor und der Bezirksbürgermeister drückten beide ihre Hoffnung aus, dass Ruth Gierok bald als Ehrenamtliche in die Bibliothek zurückkehren wird.

Das ist die Bibliothek Brackel
Über 32.000 Medien - darunter Bücher, DVDs, Hörbücher, Spiele etc. - verfügt die Bibliothek Brackel, Oberdorfstraße 23, Tel. 25 96 90. Durchschnittlich 42.000 Menschen nutzen die Bücherei im Jahr. Insgesamt 112 000 Ausleihungen gab es im letzten Jahr.
Öffnungszeiten: Di 10-12 und 14-19 Uhr, Mi 14-17 Uhr, Do 14-18 Uhr, Fr 10-12 und 14-17 Uhr, Mo geschlossen.

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