Alleinerziehenden im Alltag helfen

Betreuerin Rita Pugliese hilft einer jungen Mutter bei der richtigen Zubereitung der Babyflasche.
Betreuerin Rita Pugliese hilft einer jungen Mutter bei der richtigen Zubereitung der Babyflasche.
Foto: WAZ Fotopool

Eving.  Eine Arbeit in anderen Dimensionen. So beschreibt das Team in der Einrichtung für Alleinerziehende (EFA) seine Tätigkeit am Evinger Parkweg.

Seit Anfang September kümmern sich hier Sozialarbeiter, eine Kinderkrankenschwester und Hauswirtschafterin um erwachsene Mütter und Väter, die aus einer persönlichen Notlage heraus mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Für die Alleinerziehenden bedeutet das einen langwierigen Heilungsprozess – für die Gruppe rund um Geschäftsführerin Jutta Geiseler ist es ein 24-Stunden-Job. Das Prinzip: Verantwortung vorleben.

„Eltern, die in eine solche Situation kommen, können eine sichere Versorgung des Kindes nicht mehr gewährleisten“, sagt Jutta Geiseler. Trotz allem treffe die Alleinerziehenden keine Schuld. „Wir arbeiten hier mit Menschen, die in eine Lebenskrise geraten sind – das müssen wir respektieren.“

Privates und Gemeinsamkeiten

Auch wenn es sich dabei um Lebensgemeinschaften handelt, hat jeder die Chance, sich in einen privaten Bereich zurückzuziehen. „Zum Schutz der Intimsphäre grenzt an jedes Schlafzimmer ein eigenes Bad“, erklärt die Kinderkrankenschwester und Sozialarbeiterin Rita Pugliese. Je nach Bedarf stellt die EFA ihren Bewohnern auch Möbel zur Verfügung. Wer hingegen an seiner Wohnungseinrichtung hängt, darf genauso gut samt Mobiliar einziehen.

Aktuell sind drei der sechs Wohneinheiten belegt. Die meisten der Bewohner sind vom Jugendamt an die EFA vermittelt worden – mit der Entscheidung für oder gegen einen Aufenthalt stand für viele das Sorgerecht auf dem Spiel. „90 Prozent der Alleinerziehenden sind weiblich“, so Geiseler. Und: „Wir versuchen, das soziale Umfeld der Bewohner, sprich den Kindesvater oder die Großeltern, durch Besuche und gemeinsame Aktionen in unsere Arbeit miteinzubeziehen.“

Einen strikten Tagesablauf gibt es kaum. Einziges Pflichtprogramm sind die drei gemeinsamen Mahlzeiten am Tag. „Der Alltag wird drumherum gestrickt“, meint die Sozialarbeitern Martina Brzoska. Neben spontanen Ausflügen an den See trainieren die Bewohner in der EFA hauptsächlich Alltagstätigkeiten, wie etwa regelmäßig das Bad zu putzen, die Wäsche zu waschen oder Ämtergänge zu erledigen. „Die Zeitspannen, in denen die meisten Alleinerziehenden hier leben, sind anders“, schildert Brzoska. Kosten, die für einen Aufenthalt in der EFA anfallen, werden von der Stadt getragen.

Ziel ist es, dass die Bewohner für ein sicheres Leben in den eigenen vier Wänden ihre Grenzen erkennen, diese annehmen und überwinden – vor allem in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Mit dem Einzug in die EFA sind Mutter und Kind rund um die Uhr zusammen. Für viele ist das eine neue Situation. „Wir beobachten, dass insbesondere die Kinder ein enormes Nachholbedürfnis haben“, meint Geiseler. Ein Vertrauensverhältnis muss auf allen Seiten erst gewonnen werden.

Knapp acht Wochen nach Eröffnung der EFA lautet das Fazit des Teams: „Es ist eine Höchstleitung der Mütter, Hilfe anzunehmen und auszuhalten.“

 
 

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