"Nieder mit IT"

Wenn – ja wenn plötzlich das Publikum einhellig brüllt, manche dabei aufstehend, andere mit der Faust drohend: „Nieder mit IT!“ – dann hat das LesArt Festival tatsächlich Pigor, Eichhorn und den Ulf in das domicil gelockt.

Der Einstieg in das Paralleluniversum der Wortakrobatik und böser Satire gelingt über den Soundcheck: „111. Welches Mikro checken wir zuerst?“ „Meins!“ brüllen sich Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn zu. Ein Vorgeschmack auf das Kommende: Ein elaborierter Text-Klang-Sing-Sang in sehr eigenem Rhythmus und Reim, so etwas wie Mikrofon-Gedichte, am ehesten noch HipHop und Chanson gemeinsam in der Keksschale des Literatur-Salons. Und auch die Rolle der Zuschauer legt Pigor von vornherein fest: „Schallschlucken, das ist ihre Funktion heute Abend.“

Damit schlägt die Stunde dieses ebenso bösen wie diabolisch charmanten Entertainers im Napoleon-Jäckchen und mit Falko-Schmarrn, blitzenden Augen und einer Mimik, die freudig jede Katastrophe begrüßt. So gibt Pigor sein Liebesmotto aus („Ein bisschen Ehebruch sollte schon sein“), schlürft Martini, schimpft auf unfähige Jungmanager, versucht, Paare auseinander zu bringen und lässt manche Dame ganz still werden, als er auf die „Rabenmütter“ schimpft, die ihre Kinder irgendwo untergebracht haben, um sich zu amüsieren. Er zieht über die Medien und ihre Oberflächlichkeit her – durch ein vernichtendes Interview. Die Sternstunde aber ist ohne Frage der titelgebende Auftritt „Nieder mit IT“, in der Pigor in einem Wutausbruch über Cookies, Buttons, Upgrades, PopUps schimpft, dass es jedem gebeutelten User ein freudiges Ventil ist.

Bei diesem Parforceritt – Pigors Frisur ist dem Wirbelsturm seiner Performance angepasst – dürfen Benedikt Eichhorn am Klavier und der Ulf (Henrich) mit Soundeffekten begleiten. Ein Zustand, den Herr Eichhorn auch aufs Lustigste in ein Lied packt, mit einem Pathos, wie er Udo Jürgens würdig ist. Ein feiner Abend.

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