Neues Projekt soll "Klau-Kids" von der Straße holen

Mit einem neuen Projekt will das Land in Dortmund das Problem der "Klau-Kids" in den Griff bekommen. "Klarkommen" soll kriminelle Karrieren junger Straftäter frühzeitig beenden. Das ist in Dortmund besonders nötig: In den vergangenen zwölf Monaten musste das Jugendamt 45 Kinder aus Bulgarien und Rumänien von der Straße holen, weil sie etliche Straftaten begangen haben.

Dortmund. Innenminister Ralf Jäger gab am Montag den Startschuss für das Projekt, für das Polizei, Jugendamt, das Soziale Zentrum an der Westhoffstraße und der Verein "Die Brücke" an einem Strang ziehen. Sozialarbeiter und Familienhelfer übernehmen einen Fall von der Polizei, um weitere Straftaten zu verhindern.Das Ziel von Klarkommen: "Es gibt immer individuelle Hintergründe. Also muss es individuelle Hilfe geben", sagte Innenminister Ralf Jäger.

Schul- und Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp über das Ziel: "Die Kinder müssen den Weg in die Normalität finden. Und ihre Eltern müssen Verantwortung übernehmen." Behörden und Sozialarbeiter müssen dafür vor allem schnell arbeiten.

"Rückfallwahrscheinlichkeit liegt bei 75 Prozent"

Laut Waltraud Bonekamp hätte in vielen Fällen allein der Schulbesuch für Abhilfe gesorgt. Zurzeit besuchen 800 Jungen und Mädchen aus Bulgarien und Rumänien eine von 46 Auffangklassen in 38 Schulen. "Diese Kinder wollen lernen", berichtete die Dezernentin gestern aus der Praxis; schon nach vier Monaten in einer Auffangklasse könnten viele von ihnen in eine Regelklasse wechseln.

"Klarkommen" setzt also viel früher an als das Jugendstrafrecht, das bei Tätern ab 14 Jahren greift. "Die Rückfallwahrscheinlichkeit nach einem Gefängnisaufenthalt liegt bei 75 Prozent", legte der Innenminister nach. Damit liegt bei den Sozialarbeitern eine sehr hohe Verantwortung. Sie sollen durch enge Kooperation verhindern, dass aus Kindern Kriminelle werden. Wissenschaftler prüfen, ob sie dabei erfolgreich sind.

Auch Probleme in Schwerte

Wenn sich "Klarkommen" bewährt, dürfte das auch Dortmunds Nachbarstadt Schwerte freuen. Denn auch dort gab es in den vergangenen Monaten mehrmals Probleme mit "Klau-Kids". Die Polizei spricht von insgesamt 17 Fällen seit Januar 2013. Generell geht die Zahl der jugendlichen Mehrfachstraftäter in NRW zurück - am stärksten bei den Unter-14-Jährigen: