Neues Gutachten sorgt für eineinhalb Jahre Verzögerung

Dauert der Envio-Prozess weitere eineinhalb Jahre? Gut möglich, sagt der Vorsitzende Richter Thomas Kelm. Am Donnerstag gab die 35. Strafkammer bekannt, dass aller Voraussicht nach mindestens ein weiteres Umwelt-Gutachten eingeholt werden müsse.

Dortmund. "Wie lange die Erstellung dauert, kann keiner sagen", so Kelm. Die konkreten Fragen, die dem Sachverständigen gestellt werden sollen, werden wohl innerhalb der nächsten zwei Wochen formuliert. Unter anderem soll der Gutachter dazu Stellung nehmen, welche Art der bei Envio entsorgten Transformatoren höher mit PCB kontaminiert war und wie gefährlich eine mögliche Freisetzung des Giftes überhaupt war.

Beauftragt werden soll nach derzeitigem Stand der Dinge der Leiter des Fachgebiets Umweltchemie an der TU Berlin, Prof. Wolfgang Rotard. Die Richter machten deutlich, dass diese weitere Verzögerung niemanden glücklich stimme. Sie sei aber gleichwohl unverzichtbar.

Freispruch für den Ex-Chef?

Die Verteidigung von Ex-Envio-Chef Dirk Neupert sei eindeutig auf Kurs Freispruch. Deshalb müssten solche elementaren Fragen nun ein für alle Mal sachverständig beantwortet werden. Der Vorsitzende stellte aber auch klar: "Wenn der Gutachter sagt, er braucht dafür zwei, drei Jahre, setzen wir das Verfahren aus und fangen irgendwann noch mal ganz neu an." 18 Monate könnte man dagegen überbrücken - etwa mit dem Verlesen von Lieferscheinen.

Martin Braunschweig