Neuer Zoff um Zone wegen Feinstaubbelastung in Dortmund

Rolf Maug
Bislang gelten auf 300 Metern Brackeler Straße die strengsten Fahrverbote in NRW: Wer einfahren will, muss mindestens eine gelbe Plakette vorweisen. Jetzt lebt die Debatte über eine revierweite Umweltzone auf, die ab 2013 nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette zulässt. Fotos: Helmuth Voßgraff
Bislang gelten auf 300 Metern Brackeler Straße die strengsten Fahrverbote in NRW: Wer einfahren will, muss mindestens eine gelbe Plakette vorweisen. Jetzt lebt die Debatte über eine revierweite Umweltzone auf, die ab 2013 nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette zulässt. Fotos: Helmuth Voßgraff
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Zum Glück stimmt es nicht, dass sich Dortmund - neben anderen Revierstädten - beim Land dafür stark macht, die im ersten Anlauf gescheiterte Idee von einer großen, den gesamten Ballungsraum überspannenden Umweltzone nun doch in die Tat umzusetzen.

Medienberichten zufolge liegt Stadtrat Martin Lürwer zwar die Bitte vor, sich der gemeinsamen Forderung seiner Umweltdezernentenkollegen anzuschließen. Fragliches Papier hat er bis jetzt aber nicht unterschrieben.

So viel Vorsicht sei Lürwer, Dezernent für Bau, Planung und Umwelt und seit Jahren wieder der erste CDU-Mann im Verwaltungsvorstand, auch angeraten. Erstens steht er noch keine vier Wochen im Dortmunder Sold, zweitens kann er deshalb auch noch nicht wissen, wie vermint das Gelände ist, auf das er sich da vorwagen soll.

Politischer Wandel

Als sich Dortmund vor vier Jahren für eine große Umweltzone als Waffe gegen überhöhte Feinstaubwerte aussprach, hatten Genossen und Grüne im Rat noch eine Partnerschaft und eine Mehrheit. Die rechnerische Mehrheit ist geblieben - aber in wesentlichen Fragen verabredet sich die SPD-Fraktion inzwischen nur noch mit der CDU.

Und die Vorbehalte, die die Schwarzen damals gegen die große Lösung mit massiven Fahrverboten hegten, sind noch immer nicht ausgeräumt. Auch nicht nach dem schwarz-gelben Experiment mit kleinen, am Borsigplatz gar winzig kleinen Umweltzonen in den hoch abgasbelasteten, aber auch dicht bewohnten Innenstädten.

„Herr Lürwer wäre gut beraten, sich zumindest mit dem Fachausschuss abzustimmen, bevor er für Dortmund eine Willenserklärung abgibt“, formuliert Ulrich Monegel, Vorsitzender der CDU im Rat.

Sicher würde aber auch der ein oder andere Autofahrer mit Unverständnis reagieren, wenn es tatsächlich zu einer flächendeckenden Zone kommen würde, in der ab 2013 ausschließlich Autos mit grüner Plakette zugelassen wären.

Grüne Plakette allüberall

Keine Frage: Die Flotte jener Fahrzeuge, die dank wirksamer Abgasfilterung in der höchsten Unbedenklichkeitsstufe rangieren, hat auch in Dortmund in den letzten Jahren kräftig Zuwachs erhalten. Nicht zuletzt dank der Abwrackprämie ist die Zahl der Pkw mit grüner Plakette von knapp 205.000 in 2008 auf inzwischen 224.700 gewachsen. Ihr Marktanteil hat heute 94,23 Prozent erreicht.

Dennoch ist die Zahl der Halter, die ihr altes Möhrchen ganz abschaffen oder durch ein moderneres Gefährt ersetzen müssten, nicht von Pappe. Noch sind in Dortmund über 9.600 Pkw mit gelber und weitere 4.100 gar nur mit roter Umweltplakette zugelassen.

Diesel ist umweltverträglicher geworden

Zwar sind auch die dieseldurstigen Lkw viel umweltverträglicher unterwegs als vor zwei Jahren. In 2008 verdienten gerade Mal 861 Laster eine grüne Plakette, heute sind es mehr als 6.800 - eine Steigerung um 426,85 Prozent, wie die Kfz-Experten der Bürgerdienste ausgerechnet haben.

Aber: Noch immer rollt fast jeder zweite Lkw (45,12 Prozent) mit gelber, roter oder gar ohne Plakette über den Asphalt. Vor allem kleine und mittlere Betriebe kämen unter existenzbedrohenden Umrüstungsdruck, wenn sie sich neue, abgasärmere Fahrzeuge anschaffen müssten.