Neuer Polizeipräsident hat Dortmunder Neonazis im Visier

Andreas Winkelsträter
Norbert Wesseler ist der neue Polizeipräsident von Dortmund. Foto: Ralf Rottmann
Norbert Wesseler ist der neue Polizeipräsident von Dortmund. Foto: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann
Mit einer breit aufgestellten eigenen Task Force - wie in der Nordstadt - möchte die Polizei das Thema Rechtsextremismus künftig bekämpfen. Und das nicht nur mit den von NRW-Innenminister Ralf Jäger im Rahmen eines „Acht-Punkte-Planes“ zugesagten neuen Beamten.

Dortmund. Mit einer breit aufgestellten eigenen Task Force - wie in der Nordstadt - möchte die Polizei das Thema Rechtsextremismus künftig bekämpfen. Und das nicht nur mit den von NRW-Innenminister Ralf Jäger im Rahmen eines „Acht-Punkte-Planes“ zugesagten neuen Beamten, „sondern mit einem eigenen enormen Kräfteansatz“, erklärte Dortmunds neuer Polizeipräsident Norbert Wesseler (52) an seinem ersten Diensttag im Gespräch mit der WR.

Schon bei seiner offiziellen Einführung hatte Norbert Wesseler gesagt, dass er nicht möchte, dass Dortmund weiterhin an erster Stelle in den Medien aufgrund der Neonaziproblematik genannt wird. Es gebe halt einen Schwerpunkt in Dortmund. Davor dürfe man nicht die Augen verschließen. Man habe sich erst am Montagmorgen in der Leitungsrunde darauf verständigt, „dass wir unter dem Motto ,Kein Raum für Rechtsextreme’ die Anstrengungen verstärken, den Bereich personell aufstocken und eine neue Organisationseinheit bilden“, so der Behördenleiter. „So wollen wir besser vernetzt sein, zeigen, dass wir jeder Straftat, jeder Ordnungswidrigkeit nachgehen und dass wir sprichwörtlich, den Rechtsextremen hier auf den Füßen stehen“.

Auf diese Weise werde man den Fahndungs- und Ermittlungsdruck noch deutlich verstärken. „Davon versprechen wir uns eine noch intensivere Bekämpfung der rechtsextremen Szene als das in der Vergangenheit der Fall war“, betonte der neue Präsident.

In diese neue Struktur werden der Staatsschutz und verschiedene andere Dienststellen integriert. So könne man noch zielgerichteter arbeiten.

Das Interview im Wortlaut:

Gestern hat er seinen Dienst im Polizeipräsidium angetreten: Norbert Wesseler (52), Dortmunds neuer Polizeipräsident. Er löst Hans Schulze ab, der nach fast 19 Jahren an der Spitze der drittgrößten NRW-Polizeibehörde in Pension gegangen ist. WR-Redakteur Andreas Winkelsträter sprach mit dem neuen „PP".

Haben Sie bei den Terminen schon Zeit gehabt, die Behörde kennenzulernen?

Norbert Wesseler: Da ich ohne Verkehrsstaus pünktlich heute Morgen angekommen bin, habe mich zuerst mit den engsten Mitarbeitern bekannt gemacht, zum Beispiel im Vorzimmer. Zudem hatten wir heute Morgen eine erste Besprechung in der Leitungskonferenz, in der ich mit den Mitarbeitern aktuell anstehende Themen besprochen habe. Aber das ist nur ein erster Eindruck, es werden auch intensive Einzelgespräche folgen.

Sie sprachen das Stichwort „polizeiliche Arbeit“ an. Wie gut kennen Sie sich von Ihrer Tätigkeit im Ministerium mit Polizeiarbeit aus?

Wesseler: habe zwanzig Jahre im Ministerium gearbeitet, war auch im Ministerbüro tätig. Und zuletzt hatte ich in der Polizeiabteilung auch Berührung zu den polizeilichen Themen. Die polizeiliche Praxis kommt da ein Stück zu kurz. Ich denke, dass ich einen guten Überblick habe, doch ist es notwendig, in die Tiefe weiter vorzudringen. Die Termine z.B. bei den einzelnen Polizeiwachen und Kommissariaten sind im Kalender notiert, um Probleme und Gegebenheiten vor Ort kennenzulernen.

Gibt es einen Bereich, von dem Sie sagen, da kenn’ ich mich nicht aus, da möchte ich mal reinschnuppern?

Wesseler: Ein Thema in Dortmund ist der Rechtsextremismus und wie man damit umgeht. Und dazu gehört auch das Thema Versammlungsrecht. Da sind Koordinierungs- und Kooperationsgespräche zu führen. Das ist etwas, was man im Ministerium nicht unmittelbar und tagtäglich macht.

Sie haben die Behörde ja nur aus der Ferne im Visier gehabt. Welchen Eindruck haben sie von Dortmund?

Wesseler: Ich habe einen ausgesprochen guten Eindruck von Dortmund. Hier arbeiten hochmotivierte, kundige und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich werde versuchen, meine eigenen Akzente zu setzen, aber noch mal: Das Polizeipräsidium Dortmund genießt einen ausgezeichneten Ruf.

Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?

Wesseler: Die Polizei wird nicht alle Probleme alleine lösen können. Deswegen ist mir die Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern wie der Stadt sehr wichtig. Ich möchte daran mitarbeiten, dass Dortmund ein Stück sicherer wird. Die Themen Rechtsextremismus, Ordnungspartnerschaften, Nordstadt bleiben auch zukünftig meine Schwerpunktthemen. Ich möchte meine Erfahrungen für ein Mehr an Sicherheit für die Dortmunder Bevölkerung einbringen.

Sie haben in dieser Woche einen Termin mit OB Sierau. Kann man schon sagen, um welche Projekte es geht?

Wesseler: Mit geht es jetzt erst einmal um ein persönliches Kennenlernen sowie um einen Meinungsaustausch zu den unterschiedlichen Problemen und Aktivitäten . Dabei kommt es mir darauf an, diese aufeinander abzustimmen, wenn möglich eine gemeinsame Kommunikation und Strategie zu entwickeln. Deswegen liegt mir sehr an dem persönlichen Kontakt und einem ersten Meinungsaustausch mit dem Oberbürgermeister, direkt in der ersten Woche. Was wir gemeinsam sagen können, werden wir am Freitag sehen.

Am 1. Mai wollen die Nazis aufmarschieren. Sehen Sie da eine erste Nagelprobe?

Wesseler: Nagelprobe möchte ich nicht sagen. Vielleicht können wir bei den Demonstrationen im Mai oder September ein Zeichen setzen.

Werden Sie, so Dortmund wieder Deutscher Meister wird, als Schalke-Fan zur Meisterfeier gehen?

Wesseler: Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich großer Fußballfan bin. Das ist ein emotionales Thema, das auch durch eine gesunde Rivalität zwischen dem BVB und Schalke besetzt ist. Und das wissen alle in Dortmund: Zum Fußballfan wird man nicht über Nacht. Das ist ein langer Prozess. Und natürlich würde ich zur BVB-Meisterfeier gehen. Und als ehemaliger Schiedsrichter würde ich das ganz unparteiisch genießen und natürlich auch mitfeiern.