Neuer Mietpreis schockt Bewohner der Straßburger Straße

Mieterverein Dortmund wehrt sich gegen Deutsche Annington, die in der südwestlichen Innenstadt Wohnungen modernisieren will. Stephanie Kaiser muss danach ihre Wohnung wohl wegen zu hoher Miete aufgeben. Foto: Knut Vahlensieck
Mieterverein Dortmund wehrt sich gegen Deutsche Annington, die in der südwestlichen Innenstadt Wohnungen modernisieren will. Stephanie Kaiser muss danach ihre Wohnung wohl wegen zu hoher Miete aufgeben. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Mieten an Straßburger und Blankensteiner Straße sollen um bis zu 40 Prozent steigen. Deutsche Annington begründet dieses mit Moderniersungen. Für den Mieterverein ist die Begründung zweifelhaft.

Dortmund.. Stephanie Kaiser musste lange nach einer Wohnung für sich und ihre kleine Tochter suchen. An der Straßburger Straße wurde die alleinerziehende Mutter Anfang 2011 fündig. Vor einem Monat traf sie jedoch der Schlag: Da kündigte die Deutsche Annington Immobilien Gesellschaft an, die Kaltmiete für ihre 58 Quadratmeter große Wohnung von 284,41 auf 408,12 Euro festzusetzen. „Da bin ich hinten rübergefallen“, sagt Kaiser.

Die Erhöhungen um bis zu 40 Prozent will das Wohnungsbau-Unternehmen aus Bochum in insgesamt 32 Wohnungen an der Blankensteiner und an der Straßburger Straße durchsetzen. Als Begründung werden umfassende Modernisierungen angeführt. Doch Kaiser und einige Nachbarn sahen darin Wucher und gründeten eine Mieterinitiative. „Der Gesetzgeber erlaubt, dass der Vermieter elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Mieter umlegt“, erklärte ihnen Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher beim Mieterverein Dortmund und Umgebung.

Marode Balkone

Allerdings ermutigt er die Mieter, sich gegen die Erhöhung zur Wehr zu setzen „Wir zweifeln an, dass es sich nur um eine Modernisierung handelt“, betont Scholz. Bei der Dämmung von Außenfassade und Dachböden, Erneuerung der Haustüren und Treppenhausfenstern sowie bei der Erneuerung oder zusätzlichen Installation von Balkonen könnte es sich auch um eine Instandsetzung handeln – und für die käme allein der Vermieter auf. „Die Sanierung der maroden Balkone werden als Modernisierungen verkauft“, klagt Martina Bohn, Rechtsberaterin beim Mieterverein, an.

Die Deutsche Annington hält dieser Aussage in einer Stellungnahme entgegen, dass ein energetisches Gutachten den Nutzwert der Modernisierung bestätige. Außerdem erklärt das Unternehmen, dass es weiterhin nur einen Teil der möglichen Mieterhöhungen an seine Mieter weitergebe.

37 Cent Ersparnis

Der Mieterverein kennt das Gutachten. Allerdings steht in diesem geschrieben, dass durch eine Modernisierung nur 37 Cent pro Quadratmeter eingespart werden. Und das stünde in keinem Verhältnis zur Mieterhöhung. „Die Deutsche Annington scheint kein Interesse an den jetzigen Mietern zu haben“, schlussfolgert Tobias Scholz. Er prognostiziert, dass viele Mieter im Herbst, wenn die Erhöhung greift, ausziehen werden. „Auch wir müssten uns was Neues suchen. Dabei ist die Wohnung optimal. Aber ich kann sie mir nicht mehr leisten“, erklärt Stephanie Kaiser.

 
 

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