Neonazis marschierten spontan bis Mengede

Demo-Tag 1. Mai: 450 Rechtsradikale sind am Donnerstag durch Westerfilde und Nette gezogen, tausende Neonazi-Gegner protestierten gegen sie. Es gab zahlreiche Blockade-Versuche. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Blockierer ein. Am Abend verlängerten die Neonazis die Demo spontan - und marschierten bis nach Mengede.

Dortmund. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Beginn der Neonazi-Kundgebung mit 450 Teilnehmern verzögerte sichum mehrere Stunden unter anderem durch Blockade des Bahnhofs Westerfilde
  • Seit demVormittag beschäftigten hunderte Gegendemonstranten und Blockierer die Polizei in Westerfilde
  • Zwischenfall auf Feldweg nahe desBahnhofs: Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray gegen Blockierer ein. Spricht von Angriff auf Beamten. Blockierer sehen grundlosen Angriff der Polizei
  • Bahnstrecke der S2 zwischen Mengede und Hauptbahnhof bis 22 Uhr gesperrt
  • Immer wieder Blockade-Versuche auf der Strecke, unter anderem von Landtagsabgeordneten.
  • Einzig eine Sitzblockade auf der Haberlandstraße blieb bestehen - Neonazis zogen ohne Vorkommnisse an ihr vorbei.
  • Gegen 18Uhr verlängerten die Neonazis ihre Demo spontan bis 22 Uhr. Neues Ziel: der Bahnhof Mengede
  • Dann ging doch alles schnell: Gegen 19.30 Uhr erreichte die Demo den Bahnhof Mengede und löste sich umgehend auf.
22.40 Uhr: Polizei, Bundespolizei und "BlockaDO" ziehen aus unterschiedlichen Perspektiven jeweilseine positive Bilanz, äußern aber auch Kritik. Die Blockade-Organisationen werfen der Polizei den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken vor. Die Polizei stellte klar, dass 80 vermummte Demonstranten vorher versucht hätten, die Nazi-Route zu erreichen. Dabei wurden vier Pferde der Polizei-Reitersteffel verletzt. Die Polizei schreibt aber auch: "Die Blockierer verhielten sich überwiegend friedlich". Polizeipräsident Gregor Lange freute sich über den vielfältigen Protest. Nach umfangreicher Beweissicherung kündigte er eine Vielzahl von Straf- und Ermittlungsverfahren gegen Neonazis an, weil sie ausländische Mitbürger beleidigt und eingeschüchtert hätten.
Das BlockaDO-Bündnis konnte die angekündigte Verhinderung des Nazi-Aufmarschs nicht durchsetzen, aber den Verlauf deutlich verzögern. Mit diesem Ergebnis sind die Sprecher Stephan Michaelis und Iris Bernert-Leushacke sehr zufrieden, da die 40 Bündnis-Gruppen nicht viel Zeit hatten, die Blockaden vorzubereiten. Das Bündnis will den 1. Mai nacharbeiten.


20.01 Uhr: Die Abreise der Demo-Teilnehmer läuft ohne besondere Vorkommnisse. Drei Demo-Teilnehmer könnten noch nachträglich Post von der Polizei bekommen: Ihre Personalien wurden während der Demo aufgenommen, weil sie "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus" skandiert haben. Diese rassistischen Parole hat 47 Neonazis bei der Vor-Demo am 30. April eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung eingebracht.


Damit beenden wir nach zehn Stunden unser aktuelle Berichterstattung. Vielen Dank für Ihr Interesse!


Ganz fertig sind wir aber noch nicht:Wir werden im Laufe des Abends noch die Bilanz der Polizei und von "BlockaDO" nachliefern. Außerdem wird unser Reporter Peter Bandermann, der die Ereignisse rund um die Neonazi-Demo begleitet hat, an dieser Stelle noch seine Einschätzung abgeben, wie der Tag für ihn persönlich gelaufen ist.


19.33 Uhr: Jetzt hat der rechtsextreme Demo-Zug sein neues Ziel erreicht - und plötzlich es trotz der Verlängerung ihrer Demo-Zeit bis 223 Uhr plötzlich sehr eilig zu haben: Per Lautsprecheransage wird eine "gute Heimreise" gewünscht, Flaggen werden eingerollt, die Versammlung zerstreut sich. Die Demo ist zu Ende.


19.23 Uhr: Die Neonazis ziehen gerade durch die Siegburgstraße in Mengede, sie werden gleich schon ihr Ziel, den Bahnhof Mengede, erreichen. Die Stimmung ist aggressiv.


Unser Reporter Peter Bandermann ist nicht zufrieden mit dem Umgang der Polizei mit den Parolen der Neonazis: "Polizeipräsident Gregor Lange hat gestern gesagt, er wolle den Neonazis 'keinen Millimeter mehr' zugestehen, kämpferisch-aggressives Auftreten unterbinden. Doch das genau findet statt: Die Neonazis schreien Ausländern am Straßenrand rassistische Parolen ins Gesicht. Da wird die Polizei ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht."


19.16 Uhr: Die Neonazis sind wieder unterwegs - und die Gegendemonstranten auch. Unter ihnen ist der OB-Kandidat der Dortmunder Piraten. Er freut sich über den kreativen Protest der Anwohner:


Aus einer Wohnung Ecke Dönnstr. erklingt die Internationale <3 #nonazido#blockado

- David Grade (@gradewegs) 1. Mai 2014


18.51 Uhr: Nach Verhandlungen mit der Polizei ist nun klar: Es geht nach Mengede. Die Demo wird erst am dortigen Bahnhof enden. Das hat unser Reporter soeben erfahren. Die genaue Route ist nicht bekannt. Es könnte also noch ein langer Demo-Abend werden. 18.27 Uhr: Es gibt Verwirrung um die Pläne der Neonazis: Nun ist doch wieder unklar, ob die Rechten nach Mengede oder doch zum Bahnhof Nette laufen. Das ist derzeit Bestandteil der Verhandlungen mit der Polizei. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Klar ist: Organisator Giemsch hat die Demo verlängert.


18.20 Uhr: Der Hintergrund der Planänderung ist nach unseren Informationen kurios: Weil er sauer über die 47 Strafanzeigen bei der Demo am Vortag ist, hat der Demo-Organisator - der Dortmunder Dennis Giemsch - eine Verlängerung der Demo bis 22 Uhr beantragt.


18.13 Uhr:Überraschende Planänderung: Die Neonazis verzichten auf ihre Abschlusskundgebung am Bahnhof Nette. Darüber hinaus müssen sie nun etwas länger laufen: Das Ende des Demo-Zugs ist nun der Bahnhof Mengede und nicht wie ursprünglich gedacht der Bahnhof Nette. Die Gegen-Demo am Kreisverkehr an der Hansemannstraße hat sich aufgelöst, nachdem die Planänderung verkündet wurde.


Die Schauplätze Der Neonazi-Demo: