Neonazis greifen Dortmunder Journalisten an

Katrin Figge
Seit Jahren gilt Dortmund als  Zentrum der rechtsradikalen Szene in NRW.
Seit Jahren gilt Dortmund als Zentrum der rechtsradikalen Szene in NRW.
Foto: dpa/Archiv
Neonazis haben in Dortmund einen Journalisten angegriffen. Nach einer Demo bewarfen ihn die Vermummten mit Steinen und bedrohten ihn mit dem Tod.

Dortmund. Die Gewalt von Neonazis gegen Journalisten in Dortmund hat womöglich eine neue Schwelle überschritten: Zwei Vermummte haben am Montagabend Marcus Arndt (43) attackiert – einen der Kollegen, die zuvor per Todesanzeige bedroht worden waren.

Das Ruhrgebiets-Blog ruhrbarone.de zitiert den freien Journalisten: "Bereits in der U-Bahn hatte ich ein komisches Gefühl. Mir waren mehrere Personen im typischen Outfit der rechten Szene aufgefallen.” Zuvor hatte er über eine Anti-Nazi-Demo in im nördlichen Stadtteil Derne berichtet und war dann in die Innenstadt zurückgefahren.

An der Victoriastraße (parallel zum Ostenhellweg/Fußgängerzone) ekalierte die Situation. Die Angreifer warfen Steine auf Arndt. Er wurde an Kopf und Rücken getroffen. Dann riefen die Männer ihm Todesdrohungen hinterher.

Journalist vertreibt Angreifer mit Schreckschusspistole

Für Marcus Arndt kam die Attacke offenbar nicht überraschend: Er hatte zum eigenen Schutz eine Schreckschusspistole dabei und zielte damit auf die Angreifer. Sie flüchteten.

Die Dortmunder Polizei bestätigt die Situation – nicht aber die Begriffe "Neonazis" und "Journalist". "Nähere Angaben zum Opfer können wir schon aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen", erklärt Polizeisprecher Oliver Peiler. Er bestätigt aber: Ja, es gab beim Opfer eine "Vorgeschichte von Drohungen".

Zudem heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei: Die Soko Rechts hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Sonderkommission war erst vor wenigen Tagen eingerichtet worden – nach mehrfachen Angriffen auf Journalisten, Demoteilnehmer und Asylbewerberheime.

Polizeipräsident räumt Ermittlungen "oberste Priorität" ein

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange hat die Ermittlungen nach dem Überfall "zur obersten Priorität erklärt" und die Soko Rechts um 12 weitere erfahrene Polizisten aufgestockt. Die Polizei gehe davon aus, dass der Vorfall im Zusammenhang mit den "fortgesetzten Einschüchterungen und Bedrohungen von Journalisten, politisch Aktiven und anderen Dortmundern durch Rechtsextremisten in den letzten Monaten" zu sehen sei.

"Wir haben gerade erst die Sonderkommission Rechts eingerichtet, jetzt greifen wir auf die optimierten Strukturen dieser Kommission zurück und ermitteln mit absolutem Hochdruck", so der Polizeipräsident in einer Mitteilung. Die Direktion Gefahrenabwehr sei damit beauftragt worden, Schutzmaßnahmen für den angegriffenen Journalisten zu ergreifen.

Zeugen gesucht

Die Polizei sucht dringend Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben: Wem sind gegen 22 Uhr am Montag im Bereich Reinoldikirche/Ostenhellweg/Rosenviertel verdächtige Personen aufgefallen?

Hinweise an: 0231/132-7441.

Die Beschreibung der Angreifer fällt eher dürftig aus:

  • männlich
  • dunkel gekleidet
  • Kapuzenpullis
  • Sturmhauben