Neonazi muss dreiseitigen Aufsatz schreiben

Drei Seiten lang aus dem Internet abschreiben gilt nicht: Der 19-jährige Neonazi Timo E. ist am Dortmunder Amtsgericht dazu verurteilt worden, einen kritischen Aufsatz über eine antijüdische Hetzschrift zu schreiben. Gefällt sie dem Richter nicht, gibt es einen Monat Jugendarrest.

Dortmund. Die ungewöhnliche Strafe ist die Folge eines Ausrasters von November 2011. Damals hatte Timo E. laut Urteil eine Frau aus der linken Szene mit Nazi-Parolen überzogen. Außerdem sollen Eier gegen ihr Fenster geflogen sein. Im Prozess hatte der 19-Jährige von einer Verwechslung gesprochen, doch das Gericht glaubte ihm nicht.

Schwierige Aufgabe

Auf Timo E. kommt nun eine schwierige Aufgabe zu. Er hat genau einen Monat Zeit, um sich mit dem Thema Judenhass zu befassen. Sein Aufsatz soll die "Protokolle der Weisen von Zion" beleuchten. Die Dokumente sind zwar schon 1920 als Totalfälschung entlarvt worden, wurden aber trotzdem weltweit für antisemitische Hetzkampagnen eingesetzt.

Drei Seiten schreiben, Text erläutern

Der Aufsatz soll drei Seiten umfassen und muss Mitte Januar vorgelegt werden. Damit ist es nicht getan. Einfaches Vorlesen wird nicht akzeptiert. "Der Text muss mir erläutert werden", erklärte Jugendrichter Dr. Gerhard Breuer. Nur so könne schließlich sichergestellt werden, dass sich der Angeklagte auch wirklich selbst mit dem Thema befasst hat.

Die Staatsanwaltschaft hatte bei der Suche nach einer erzieherisch wertvollen Jugend-"Bestrafung" übrigens ähnlich gedacht und einen Besuch des ehemaligen Nazi-Gefängnisses Steinwache beantragt. Das hielt Richter Breuer aber nicht für ausreichend genug.

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