Neonazi-Fall Schäfer gibt weiter Rätsel auf

Michael Kohlstadt, Rolf Maug
Foto: WAZ

Dortmund. Was hatte Ex-Feuerwehrchef Klaus Schäfer bei einer Demo von 80 Rechtsradikalen am Freitag am Hauptbahnhof zu suchen? Und vor allem: Was hat der hoch bezahlte städtische Beamte jetzt zu befürchten? Die drängenden Fragen zum „Fall Schäfer" bleiben weiter noch offen.

Das klärende Gespräch, zu dem die Verwaltungsspitze den Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie am Montag einbestellt hatte, war geplatzt. Schäfer, von der Stadtspitze schon am Freitagabend spontan vom Dienst suspendiert und aus allen Diensträumen ausgesperrt, meldete sich krank. Er soll an einer Allergie leiden. Schäfer bleibt unter Beibehaltung seiner Bezüge suspendiert.

Seitens der SPD kann Schäfer kein Ungemach (mehr) drohen. Dem Unterbezirk dürfte es schwerfallen, die wiederholte Ankündigung des Vorsitzenden Franz-Josef Drabig wahrzumachen, Schäfer aus der SPD auszuschließen. Er ist gar nicht mehr drin.

Keine Beiträge seit Herbst

Nach Informationen der WAZ soll Schäfer schon seit Herbst 2008 keine Beiträge mehr bezahlt haben; daraufhin hätte er von seinem Ortsverein (Barop) nach zwölf Monaten aus der Mitgliederliste gestrichen werden müssen. Das holte die Unterbezirksgeschäftsführung am Montag nach.

Im Übrigen hatte Klaus Schäfer der SPD - wie damals berichtet - schon im September 2009 seinen Austritt erklärt. Begründung damals: Selbst ihren Fachbereichsleitern habe Dr. Christiane Uthemann - die Stadtkämmerin wurde später abgewählt - in einem Budgetgespräch vier Tage vor der Wahl das Ausmaß der Finanznöte und die Haushaltssperre verschwiegen, die sie dann Stunden nach der Wahl öffentlich verkündete.

Juristische Auseinandersetzung

Mit seiner Suspendierung will sich Klaus Schäfer offenbar nicht abfinden. Wie die WAZ erfuhr, bereitet er sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit seiner Arbeitgeberin, der Stadt, vor und hat einen Anwalt eingeschaltet.

Strafrechtlich hat sich Schäfer offenbar nichts zu Schulden kommen lassen. Weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei der Polizei liegt gegen Schäfer etwas vor, was in die Richtung neonazistischer Umtriebe geht. „Darüber hätten wir die Stadt Dortmund sofort in Kenntnis gesetzt", sagte Polizei-Sprecher Manfred Radecke der WAZ.

Verwirrend auch, dass Schäfer am Freitag - nach seiner Teilnahme an der Demo der Rechtsradikalen - auch bei der SPD-Sause „Rock in den Ruinen" gesehen worden sein soll. Und was mag Schäfer veranlasst haben, letzten Herbst auf einer Wahlkampfveranstaltung der Linken auf dem Alten Markt deren Leitfigur Oskar Lafontaine zuzuhören, wie es das nebenstehende Foto beweist?

Die Mitteilung der Stadt, Polizei und Staatsschutz seien „in die aktuellen Ermittlungen einbezogen", bezeichnete Polizeihauptkommissar Radecke als „nicht ganz korrekt": „Wir wurden am Freitag von Stadtdirektor Pogadl angerufen und über den Vorgang informiert - das war's." Wenn es um die Besetzung hoher Positionen gehe, könnte die Stadt Dortmund die Polizei um eine „Sicherheitsprüfung" bitten. Das sei aber nicht geschehen.