Nazi nach Demo in Dortmund wegen Körperverletzung verurteilt

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Ein Nazi aus Dortmund ist am Mittwoch (5. Januar 2011) in zweiter Instanz vom Dortmunder Landgericht wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden. Vor einer Demo gegen Rechts hatte der 32-Jährige Nazi im September 2008 einen linken Studenten geschlagen.

Außerdem muss der Rechte dem Opfer 800 Euro Schmerzensgeld zahlen und für eventuelle Spätfolgen aufkommen, die nach dem Faustschlags auf das Auge auftreten könnten. Der Rechte kam nur auf den ersten Blick gesehen mit den 1000 Euro Geldstrafe besser davon als in erster Instanz im Amtsgericht. Hier sollte er 2800 Euro Strafe zahlen. Denn trotz der geringeren Summe gilt der bisher unbescholtene Mann jetzt als vorbestraft: Angesichts der Verletzungen hielt es die 45. Strafkammer für angemessen, die Anzahl der Tagessätze von ursprünglich 80 auf 100 zu erhöhen. „Ein Schlag mit der Faust aufs Auge ist erheblich“, erklärte der Vorsitzende Richter Meinhard Northoff. Andererseits hatte der Neonazi in der Zwischenzeit seinen Job in der Kfz-Branche verloren, das Gericht musste daher von einem geringeren Einkommen des jungen Vaters ausgehen und die Höhe der Tagessätze entsprechend senken.

Ohne jegliche Vorwarnung angegriffen

Während Verteidiger Andre Picker Freispruch gefordert hatte, war es nach Überzeugung des Gerichtes der Angeklagte, der am 4. September 2008 auf dem Westenhellweg unvermittelt und ohne jegliche Vorwarnung den Studenten angriff. Ein weiterer, unbekannt gebliebener Täter riss dessen Bekannte zu Boden. Über das Motiv konnte auch das Gericht nur mutmaßen: „Möglich ist ein Denkzettel“, so der Vorsitzende Richter Meinhard Northoff. Ein Denkzettel dafür, dass die Bekannte, eine Aktivistin in der Antifa-Szene, auch diesmal wieder die Flugblatt-Aktion der Rechten gestört hatte. „Ja, ich habe Passanten angesprochen und sie gefragt, ob sie überhaupt wissen, was sie da in der Hand halten. Wenn möglich, habe ich die Flugblätter auch wieder eingesammelt“, sagte die junge Frau als Zeugin vor Gericht.

Opfer hat den Rechten zweifelsfrei wiedererkannt

Nach dieser Aktion schlenderte sie mit dem Studenten über den Westenhellweg. Dann der plötzliche Überfall. Beide haben den Rechten wiedererkannt. Ob er jedoch auch dabei war, als der Student an der nächsten Ecke von mehreren Neonazis zusammengeschlagen wurde, ist unklar. Eine andere Frau, angeblich ebenfalls ein Opfer, blieb dem Prozess trotz anderslautender Ankündigung fern. Aus Angst, wie sie fernmündlich mitteilte.

 
 

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