Nadja Lüders führt Dortmunder SPD

Verabschiedungen, Jubilarehrungen, Vorstandswahlen und eine Rede des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel - Teil eins des zweitägigen SPD-Unterbezirksparteitages am Samstag im Berufsförderungswerk in Hacheney war voll gepackt. Und am Ende stand gar ein "Kulturbruch".

Dortmund.. Als Nachfolgerin von Franz-Josef Drabig, der nicht wieder antrat, wurde Nadja Lüders (43), Landtagsabgeordnete und bislang Parteivize, mit 92,5 Prozent als erste Frau an die Spitze des größten SPD-Unterbezirks Deutschlands gewählt.
Zuvor hatte sie in einer kurzen, knackigen Rede mit deutlichen Worten um Einigkeit im Vorfeld der Kommunalwahlen am 25. Mai geworben: "Lasst uns draußen stark sein, vernetzt in der Stadtgesellschaft, lasst uns den Menschen zuhören für eine soziale Stadt, statt in Mitgliederversammlungen darüber zu hadern, wer auf welchen Listenplatz gehört."

Eigenlob vom Parteichef

Wahlkämpfe sind Zeiten des Eigenlobs. "Andere werden uns nicht loben, das müssen wir schon allein machen", stimmte SPD-Chef Gabriel seine Dortmunder Genossen auf den Wahlkampf ein. "Die SPD muss ihre eigenen Erfolge auch öffentlich feiern und verkaufen."
Gabriel schritt damit voran, zählte die angestoßenen Gesetzespakete in den ersten 100 Tagen der Großen Koalition auf (Mindestlohn, Rente mit 63, doppelte Staatsbürgerschaft, Frauenquote, Elterngeld, Mietpreisbremse und finanzielle Entlastung der Kommunen) - einer Koalition, die gerade bei den Dortmunder Genossen umstritten war und weiter ist.
Zu seinem als Wirtschaftsminister ureigenen Thema, der Energiewende, erklärte der Vizekanzler und nahm dabei besonders die NRW- und die Dortmunder SPD in den Blick: "Ich kann der SPD nur empfehlen, offensiv dafür zu werben, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in den Mittelpunkt der Energiewende zu stellen." Deutschland müsse ein starkes Industrieland bleiben.

Streicheleinheiten

Doch zunächst gab es von Gabriel Streicheleinheiten für die Dortmunder Parteifreunde, allen voran für Unterbezirkschef Franz-Josef Drabig, der nach acht Jahren an der Parteispitze ausschied: "Die Partei ist dir zu großem Dank verpflichtet, nicht nur die in Dortmund, sondern auch die in Deutschland." Stehende Ovationen.

Drabig selbst holte in seiner Abschiedsrede vor allem gegen Dr. Annette Littmann, Oberbürgermeisterkandidatin der CDU, aus. Sie habe als ehemalige Chefin der Ratsfraktion FDP-Bürgerliste nach dem FDP-Motto "Privat vor Staat" für die Privatisierung des Klinikums geworben. So etwas sei mit der SPD nicht zu machen, sagte Drabig. Heute schreibe das kommunale Krankenhaus eine schwarze Null: "So geht Politik."

KGB-Urkunde

Versöhnliche Worte hatte Drabig für seinen früheren Widersacher und Ex-Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer, der mit der Haushaltsaffäre die Wiederwahl des Rates im Jahr 2012 ausgelöst hatte. Drabig: "Du hast rechtlich eine weiße Weste, und du hast politisch ein rote Weste." Ohne Langemeyer gäbe es weder das Schulraumprogramm noch die Kulturszene, das dortmund-project und keinen Phoenix-See.

Für mehr als 40 Jahre in der SPD erhielt Oberbürgermeister und OB-Kandidat Ullrich Sierau eine Jubiläumsurkunde aus den Händen von Sigmar Gabriel, unterschrieben von SPD-Landeschefin Hannelore Kraft, von Gabriel und Sieraus Ortsvereins-Vorsitzenden Andreas Bach. Das sei die einzige "KGB"-Urkunde, die er je bekommen habe, scherzte Sierau, der am Sonntag erneut zum OB-Kandidaten nominiert werden soll.

Herwig Viecenz war Gast

Sierau hatte noch einen ganz besonderen Gast eingeladen: den 80-jährigen Herwig Viecenz, der mit seinem Weihnachtsbrief Ullrich Sierau dazu bewegt haben soll, doch vorzeitig zur OB-Wahl anzutreten.

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