Dortmund

Nach schrecklichem Mordkomplott auf Lehrer in Dortmund: Jetzt spricht das Opfer

Drei Schüler aus Dortmund planten einen Mord an ihrem Chemielehrer – in der Raucherecke auf dem Garagenhof der Martin-Luther-Gesamtschule wollten sie ihn erschlagen.
Drei Schüler aus Dortmund planten einen Mord an ihrem Chemielehrer – in der Raucherecke auf dem Garagenhof der Martin-Luther-Gesamtschule wollten sie ihn erschlagen.
Foto: dpa/Bernd Thissen

Dortmund. Zwölf Tage ist es das Mordkomplott an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld her. Drei tatverdächtige Schüler wollten einen Lehrer mit einem Hammer erschlagen. Doch zum Glück bekamen die beiden 16-Jährigen und der 17-Jährige weiche Knie. Jetzt hat sich der Pädagoge selbst zu Wort gemeldet.

Bei Facebook veröffentlicht der Gesamtschullehrer aus Dortmund öffentlich ein langes Statement und erzählt darin auch, wie es ihm nach der Tat geht.

Nach Mordkomplott auf Lehrer in Dortmund: Jetzt spricht der Pädagoge

Er wendet sich dabei an seine „Freunde, Schüler, Exschüler, Kollegen und Bekannte“. Vorweg sagt der Chemielehrer: „Es geht mir wirklich gut! Ich werde gerade getragen von einer Welle der Zuneigung und Anerkennung, die jeder Mensch einmal in seinem Leben erfahren sollte. Es muss niemand Sorge haben, dass ich die Lust an meinem Job verloren haben könnte, dass ich Angst hätte, zur Arbeit zu gehen, oder Schülern mit mehr Misstrauen begegnen würde.“

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Auch dankt er seinen Kollegen - „Meine Kollegen sind ein Traum“ - und der Schulleitung, die ihn immer unterstützt habe. „Ich möchte ausdrücklich der Polizei danken“, fügt er als nächstes hinzu. Alle Beamten hätten seine Person im Blick gehabt und nicht bloß ermittelt.

Danach spricht der Pädagoge noch einen Punkt an, der ihm an einer Schule in Dortmund-Dorstfeld, in deren Umfeld auch das sogenannte „Nazi-Kiez“ ist, sehr wichtig ist. „ Ich möchte nicht vom rechten Rand der Gesellschaft instrumentalisiert werden“, sagt er klar.

Lehrer will nicht von Rechten instrumentalisiert werden

Viele ehemalige Schüler und auch ein großer Teil der Gesellschaft mag nach dem Veröffentlichen des Vornamens des 16-Jährigen Hauptverdächtigen (Serkan) denken, dass es an der Schule und im Stadtteil ein Problem mit „Migranten“ gebe.

Doch diese könnten falscher nicht liegen. Dazu sagt er: „Es wird bereits in vielen Beiträgen gefordert, endlich die Namen der beiden anderen Beteiligten zu veröffentlichen. Der Gesellschaft wird unterstellt, dass dies nur deshalb nicht geschehe, um die Folgen der verhassten Integration, der unsere Schule sich verschrieben hat, nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Euch muss ich sagen: Ihr könntet falscher nicht liegen.“

Besonders erschrocken habe ihn aber einer der anderen Tatbeteiligten, der ihn erschlagen wollte, obwohl er ihn nie kennengelernt habe.

„Das hat nichts mit Migrationshintergrund oder Religion zu tun“

„Der Haupttäter hingegen war wie ein kleiner Junge, der Fußballstar bei Real Madrid werden will, beim Ortsverein nur auf der Ersatzbank sitzt und dem Trainer dafür die Reifen zersticht. Das hat nichts mit Migrationshintergrund oder Religion zu tun. Das ist eine Frage des Charakters. Was ich den Rechten vorwerfe, ist besonders die Vorstellung, dass es einen Wert an sich habe, Deutscher zu sein. Das sieht meine Schule nicht so und das sehe ich nicht so“, betont er.

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„Beteiligt euch nicht an rechter Hetze“

Er appelliert an alle mit rechtem Gedankengut: „ Ich heiße nicht alles gut. Was der Haupttäter getan hat, war absolut verwerflich. Aber ich weigere mich, es an seiner Nationalität oder seinem religiösen Bekenntnis festzumachen. Es war eine Frage seines individuellen Charakters. Zeigt doch bitte einen anderen Charakter und beteiligt euch nicht an rechter Hetze“.

Viele Menschen haben den Beitrag schon geteilt, freuen sich, dass es dem Lehrer gut geht und dass er sich dazu äußerte. Viele Exschüler loben ihn auch:

  • „Sie haben uns überall unterstützt und tun es immer noch für ihre jetzigen Schüler/innen.. Freue mich dass es ihnen gut geht“
  • „Einfach super geschrieben, sie Unterrichten ja nicht ohne grund Deutsch. Einfach Wahnsinn, als ich erfuhr, dass sie der betroffene waren. ️Daher schön zu wissen, das es Ihnen soweit gut geht. Bester Lehrer!“
  • „Danke, dass sie uns alle immer und jederzeit unterstützt haben ob im Dienst nach Dienst oder nach dem wir ihre Schule verlassen haben. Sie sind wirklich ein sehr menschlicher und „Korrekter“ Mensch. Schön das es Ihnen gut geht und ich denke jeder Schüler / Exschüler freut sich über Ihr Schreiben. Denn würden wir einen Lehrer der so geachtet und gemocht wird verlieren würden wir ein Standbein dieser Schule verlieren sowie viele viele Erinnerungen auf die wir zurück schauen können, würden die nach Ihnen auf diese Schule kommen garnicht kennen und das wäre äußerst schade.“ (js)
 
 

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