Nach PCB-Skandal bei Envio: 100 neue Stellen für Umweltschutz

Klaus Brandt
Foto: WR RALF ROTTMANN
Das Land NRW zieht die Lehren aus dem Giftskandal rund um die Dortmunder Ensorgerfirma Envio. 100 neue Stellen verstärken den Umweltschutz. Zudem gibt es Kritik an der Einstellung der Ermittlungen gegen die Bezirksregierung Arnsberg und Verwunderung über die Envio AG bzgl. ihres Korea-Werks.

Dortmund/Düsseldorf/Arnsberg. Verstärkungen im NRW-Umweltschutz, Verärgerung über die Staatsanwaltschaft, Verwirrung um die Envio AG – das sind die neuesten Blüten des PCB-Skandals.

Das Land hat weitere Konsequenzen aus dem Fall Envio gezogen und die Umweltverwaltungen bei den Bezirksregierungen verstärkt. Nach Informationen der WR hat das Umweltministerium insgesamt 100 neue Stellen verteilt: 86 an die fünf Regierungsbezirke, 14 an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Die Umweltverwaltung in Arnsberg wurde um 19 Stellen aufgestockt, Detmold bekam zehn, Düsseldorf 23, Köln 22 und Münster zwölf neue Kräfte. Für weitere 100 Stellen wird die Aufteilung derzeit erarbeitet.

Die Einstellung der Ermittlungen gegen die Bezirksregierung Arnsberg stößt auf Kritik. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat die Bezirksregierung nichts von den Envio-Machenschaften gewusst. „Das widerspricht dem von der Landesregierung vorgelegten Prognos-Gutachten“, sagt Utz Kowalewski, Chef der Linken im Dortmunder Stadtrat. Die Gutachter werfen Arnsberg die Duldung illegaler Betriebsteile vor. Daran erinnern auch die Grünen und fordern Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) auf, „personelle Konsequenzen in seiner Behörde“ zu prüfen.

Irritationen löste am Mittwoch eine Mitteilung der Envio AG an Aktionäre aus. Darin widersprach der Konzern Pressemeldungen, „dass der Betrieb des koreanischen Werkes der Envio-Gruppe temporär stillgelegt sein soll“. Auf Anfrage kannte gestern niemand solche Meldungen, auch nicht Klaus Niemeyer, der das Dementi für die Envio AG verbreitet hatte. Die WR und das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hatten berichtet, dass die zuständige koreanische Umweltbehörde das Werk in Jeonju schließen will, nachdem ein PCB-haltiger Transformator im Freien zerlegt wurde. Gegen die angeordnete dreimonatige Betriebsstilllegung hat Envio Widerspruch eingelegt. Der Prozess läuft noch, der Betrieb auch. Wie berichtet, ist der Vize-Chef von Envio Korea bereits mit PCB vergiftet.