Dortmund

Nach Massenschlägerei in Dortmund – Polizei zieht drastische Konsequenzen

Sozialer Brennpunkt Dortmunder Nordstadt: Am Pfingstmontag gingen hier 80 Menschen aufeinander los. Die Polizei musste mit massiven Kräften anrücken.
Sozialer Brennpunkt Dortmunder Nordstadt: Am Pfingstmontag gingen hier 80 Menschen aufeinander los. Die Polizei musste mit massiven Kräften anrücken.
Foto: WAZ Foto Pool

Dortmund. Seit Jahren steht die Nordstadt von Dortmund über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus im Fokus. Tatsächlich werfen Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Prostitution kein gutes Licht auf den Stadtteil.

Doch am Pfingstmontag ist eine neue Stufe der Gewalt erreicht worden: 80 Menschen verschiedener Nationalitäten gingen im Bereich des Schleswiger Platzes mit Stuhlbeinen, Holzlatten, diversen Werkzeugen und sogar Molotowcocktails aufeinander los. Was genau der Anlass für die Massenschlägerei war, ermittelt momentan eine extra eingerichtete Ermittlungskommission.

Nach Massenschlägerei in Dortmund: Polizei zieht drastische Konsequenzen

Jetzt zieht die Polizei drastische Konsequenzen und verhängt eine Art Ausnahmezustand. Der Polizeipräsident Gregor Lange teilte am Mittwoch mit, dass die „strategische Fahndung“ in der Nordstadt nun für mehrere Wochen gilt.

Doch was bedeutet das genau? Die sogenannte strategische Fahndung ist ein neues Instrument aus dem umstrittenen Polizeigesetz. Dabei darf die Polizei ohne konkreten Verdacht Personen anhalten, nach der Identität fragen oder Fahrzeuge begutachten.

Personen dürfen in der Nordstadt ohne konkreten Verdacht kontrolliert werden

Lange dazu: „Wir lassen nicht zu, dass sich an dieser Stelle kriminelle Strukturen verfestigen, mit erhöhter Präsenz setzen wir eindeutige Stopp-Zeichen.“ Und weiter: „Die Menschen in Dortmund können darauf vertrauen, dass die Polizei sämtliche verfügbaren Instrumente nutzen wird, um die Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger in der Nordstadt weiter zu verbessern.“

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Seit Dienstag seien bei Schwerpunkteinsätzen schon viele Personen kontrolliert worden. Dabei wurden laut Polizei „potentielle Störer“ mit Platzverweisen belegt.

Das ist nicht das erste Mal, dass die Polizei von diesem Gesetz Gebrauch macht. Bereits im Februar ging die Polizei so gegen Einbrecher vor. Bei der Fahndung wurden damals 3000 Personen an 800 verschiedenen Orten kontrolliert.

Massenschlägerei in Dortmund: Niemand meldet sich bei der Polizei

Nach der Massenschlägerei am Pfingstmontag ermittelt die Polizei derweil, was genau der Anlass für diese Eskalation war. „Es waren so viele Personen beteiligt. Das dauert, bis die Einzelheiten geklärt sind“, verwies Polizeisprecher Gunnar Wortmann am Mittwoch auf die laufenden Ermittlungen. Wer hinter der brutalen Auseinandersetzung steht, ist noch offen. Bisher hat sich keiner der Beteiligten oder ein Verletzter bei der Polizei gemeldet. Nun müssen zahlreiche Zeugen befragt werden, damit „Licht ins Dunkel gebracht werden kann.“

Zwischenzeitlich konnten die über 100 Einsatzkräfte drei Syrer (17,17, 20) festnehmen. „Nach spurentechnischer Untersuchung und Vernehmung durch Beamte der Kriminalpolizei wurden die Tatverdächtigen nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft entlassen“, verkündet die Polizei am Dienstag.

Schaulustige störten Polizisten

Während des Einsatzes bedrängten knapp 150 Schaulustige die Beamten bei ihrer Arbeit.

Eine neue Dimension der Gewalt in der Nordstadt?

Zwar möchte Polizeisprecher Wortmann nicht von einer neuen Dimension der Gewalt sprechen, doch die Attacken mit Molotowcocktails sei neu. Neben Landfriedensbruch werden auch Strafbestände wie versuchte Tötung geprüft. Wer Molotowcocktails auf eine andere Person werfe, der nähme ihren Tod billigten in Kauf.

Auch schon am Dienstag wählte Polizeipräsident Gregor Lange drastische Worte. Die Polizei werde nicht zulassen, dass Unruhestifter das Sicherheitsgefühl der Bürger in der Nordstadt beeinträchtigen.

Dortmund: Intensive Polizeieinsätze

„Wir haben in den letzten Jahren mit unserem hohen Engagement in der Nordstadt den Rechtsstaat konsequent durchgesetzt“, betont Lange. Dabei verweist er auf die deutliche Senkung der Straftaten von über 30 Prozent. Dies sei der „Null-Toleranz-Strategie“ zu verdanken, heißt: Intensive Polizeieinsätze, Schwerpunkteinsätze und eine eigene Ermittlungskommission Nordstadt.

Und eben mit der strategischen Fahndung wolle man diese Linien weiter fortführen. „Fakt ist, auf die Dortmunder Polizei können sich die Menschen in unserer Stadt verlassen“, so der Polizeipräsident. (mit ms, js)

 
 

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