Nabu Mitarbeiterin entlässt Bussard-Findelkind in die Freiheit

Christina Römer
Gudrun Hartisch vom Nabu lässt das gerettete Jungtier frei. Majestätisch reckt es seine Flügel.
Gudrun Hartisch vom Nabu lässt das gerettete Jungtier frei. Majestätisch reckt es seine Flügel.
Foto: Knut Vahlensieck
Vor ein paar Monaten hat Paul Schamuhn einem kleinem Bussard das Leben gerettet. Er fand den aus dem Nest gefallenen Vogel beim Spaziergehen und rief die Polizei. Diese verständigte den Naturschutzbund, der das Tier aufpäppelte. Nun wurde der prächtige Greifvogel wieder in die Freiheit entlassen.

Dortmund. Mehr als unsanft flog der kleine Bussard im Frühjahr aus dem Nest. Der Baum, in dem das Tier hauste, war gefällt worden. Als Paul Schamuhn es am Wegesrand an einem Spazierweg neben der Schondelle in Lücklemberg fand, kriegte es kaum Luft, konnte sich nur schwer bewegen. Ein paar Monate später ist aus dem kleinen Vogeljungen ein prächtiger Greifvogel geworden. Am Sonntag segelte der Bussard in die Freiheit.

Paul Schamuhn hatte alles richtig gemacht. Er verständigte die Polizei, die riefen wiederum den Naturschutzbund Dortmund (Nabu) zur Hilfe, der sich um solche Tiere in Not kümmert. „Er hatte eine ganz starke Beckenprellung und neurologische Probleme“, erzählt Gudrun Hartisch, Mitarbeiterin der Vogelpflegestation des Nabu. Seine Geschwister waren nicht zu finden.

Hartisch brachte das Findelkind zum Tierarzt und nahm ihn dann bei sich Zuhause auf. Für verwaiste Vögel hat Gudrun Hartisch sowohl zwei Außenvolieren als auch zwei Kisten im Keller. „Die Vögel sollen gar nicht so viel Kontakt zu den Menschen haben, das ist besser für sie“, weiß Hartisch. Schließlich sollen die Tiere später ausgewildert werden.

Drei Mal am Tag Medikamente

Drei Mal am Tag musste der etwa drei oder vier Wochen alte Bussard gefüttert werden und Medikamente bekommen. „Schmerzmittel und abschwellende Mittel“, erzählt Hartisch. Gefüttert wurde er zunächst mit Putenherzen, dann mit toten Mäusen. Nach etwa zwei Wochen war der Vogeljunge schon etwas agiler.

„Als er aufrecht stehen und sich bewegen konnte, haben wir ihn zum Nabu in die Außenvoliere gebracht“, meint Hartisch. Hier hatte der Kleine mehr Platz und wurde nur noch einmal täglich gefüttert – mit lebenden Mäusen. „Die Vögel müssen lernen, selbst zu jagen und zu schlagen“, erklärt Gerd Schrader vom Nabu. Nach weiteren vier Wochen hatte der Bussard soviel Kraft bekommen, dass er sich in die Luft erheben konnte. „Da saß er das erste Mal auf einem Ast“, erzählt Schrader.

In seiner Voliere blieb das Findelkind nicht lang alleine: Ein zweiter Bussard, der in die Hände der Nabu-Mitarbeiter gegeben worden war, leistete ihm bald Gesellschaft.

Am Sonntag wurden beide Tiere zusammen frei gelassen. An der Stelle, an der Paul Schamuhn den kleinen Vogel gefunden hatte. Auch Schamuhn war mit dabei als das Tier in die Freiheit entsandt wurde.

Eigenes Revier suchen

Beide Tiere zögerten nicht lange als die Nabu-Mitarbeiter sie aus den Boxen heraus holten. Majestätisch reckten sie die Flügel und flogen davon. Allerdings nicht allzu weit. „Die beiden werden sich erstmal orientieren und noch etwas hier bleiben, bis sie von den anderen Tieren verdrängt werden“, weiß Schrader. Dann müssen sie sich ihr eigenes Revier suchen.