Mutter muss nach Ohrfeige 800 Euro Strafe zahlen

Dortmund. Wegen Körperverletzung muss eine Mutter, die einem 14-Jährigen eine heftige Ohrfeige verpasst hatte, jetzt 800 Euro zahlen. So lautete am Donnerstag das Urteil des Amtsgerichtes. Der Junge, so die Mutter vor Gericht, soll zuvor ihren Sohn in der Schule verprügelt haben.

Wie so oft holte die Mutter ihren Sohn von der Schule ab. Doch an diesem Tag, dem 12. Februar 2009, war alles anders: Marcel weinte. Ein Klassenkamerad (14) und dessen Freund, so sagte er, hätte ihn verhauen. Das wollte Mama nicht auf sich sitzten lassen und schritt zur Tat...

Junge knallte mit dem Kopf gegen eine Glasscheibe

Wegen Körperverletzung muss die bisher völlig unbescholtene Frau jetzt 800 Euro Geldstrafe zahlen. Als sie wenig später die beiden mutmaßlichen Peiniger ihres Sohnes an der Bushaltestelle an der Preinstraße entdeckte, gingen der Frau nach Überzeugung von Amtsrichterin Dr. Hannah Oldenbruch die Nerven durch: So versetzte sie dem 14-Jährigen eine dermaßen heftige Ohrfeige, dass er mit dem Kopf gegen die Glasscheibe des Bushäuschens stieß. Diagnose: Prellung des Hinterkopfes. Oder, wie der Junge sagte: „Ich hatte 'ne fette Beule.” Seinem Freund griff die wütende Mutter kurz und heftig an den Hals - beides ist strafbar und sei absolut nicht zu tolerieren, betonte Amtsrichterin Dr. Oldenbruch: „Keine Mutter kann es gut haben, wenn ihr Kind geschlagen wird. Aber Selbstjustiz geht gar nicht.”

"Selbstjustiz geht gar nicht"

Statt die Nerven zu verlieren und zuzuhauen, hätte die Mutter sich vielmehr mit der Schulleitung in Verbindung setzen müssen. „Man darf niemanden schlagen - und Kinder schon gar nicht.”

«Man darf keine Kinder schlagen.«

Die Mutter auf der Anklagebank schüttelte während des Prozesses immer wieder mit dem Kopf: „Ich habe wirklich nichts gemacht. Ich weiß doch, dass man in Deutschland keine Kinder anfassen darf, ich werde den Teufel tun.” Als sie damals, den weinenden Sohn im Auto, auf der Fahrt nach Hause die zwei Jungs an der Bushaltestelle entdeckte, da sei sie zwar ausgestiegen und habe den beiden ein paar deutliche Worte gesagt. „Dabei habe ich sie aber nur ein bisschen an der Jacke gezogen, ganz bestimmt.”

Eine Zeugin, die gerade aus dem Supermarkt kam und niemanden der Beteiligten kannte, sah allerdings etwas ganz anderes: „Die Frau packte den einen Jungen am Hals, dem anderen gab sie eine dolle Ohrfeige. Das Kind knallte dann gegen die Scheibe.” Selbst Mutter von drei Kindern, habe sie sich sofort um die erschrockenen Jungs gekümmert. „Vor allem der Kleinere hat ziemlich geweint.”

Mehrmals sagte Amtsrichterin Dr. Oldenbruch der Mutter während des Prozesses, dass sich ein Geständnis günstig auswirke: „Wir alle machen mal Fehler. Ich weiß, wie schwierig es ist, sich das einzugestehen.” Doch die Angeklagte blieb stur. Ihre Hoffnung auf die entlastende Aussage zweier bekannter Frauen erfüllte sich auch nicht. Die eine konnten sie an nichts erinnern, die andere sagte: „Ich war damals gar nicht dabei.”

 
 

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