Mutter beaufsichtigt Prostitution ihrer drei Töchter

Die Mallinckrodtstraße in der Nordstadt gehört mit ihren Internetcafés, Wettbüros und Teestuben zum Revier der Streifen.
Die Mallinckrodtstraße in der Nordstadt gehört mit ihren Internetcafés, Wettbüros und Teestuben zum Revier der Streifen.
Foto: Peter Bandermann
Bei Einsätzen in der Dortmunder Nordstadt begegnet die Polizei vor allem im Schleswiger Viertel und auf der benachbarten Mallinckrodtstraße immer wieder bitterste Armut. Prostitution ist für junge Frauen oft der einzige Ausweg aus dem Elend — unterstützt von den eigenen Eltern.

Dortmund.. 

Als die bulgarischen Polizisten Atanas Georgiev und Dimitar Dimitrov mit deutschen Kollegen in den vergangenen Tagen eine Wohnung in der Schleswiger Straße betraten, war schnell klar, in welchem Gewerbe die drei jungen Frauen ihr Geld verdienten. Kondom-Kartons und der Animation dienende Pornofilme waren griffbereit zur Hand. Die Bulgarinnen hielten sich mit Prostitution über Wasser. Die Aufsicht führte in der Wohnung die Mutter der drei Schwestern.

Zwei Wochen nach dem ersten Einsatz der bulgarischen Polizisten Atanas Georgiev und Dimitar Dimitrov in der Nordstadt denkt die Polizei bereits an den nächsten Besuch der Kollegen aus Sofia und Plowdiw. Die Kriminalbeamten haben die Nordstadt-Wache und Kriminalkommissariate im Präsidium an der Markgrafenstraße mit wichtigem Wissen versorgt. Umgekehrt nehmen die Bulgaren auch Erkenntnisse in ihre Heimat mit. "Sie haben bei uns Personen wiedererkannt, die ihnen schon in der Heimat aufgefallen sind. Und nehmen eigene Ermittlungen auf", berichtet der Leiter der Nordstadt-Wache, Detlef Rath. Am 2. November 2013 reisen die bulgarischen Polizisten wieder ab.

Clevere Geschäftsleute verdienen Geld mit Armut

Auch die Dortmunder Polizei durchschaut die Zusammenhänge jetzt besser - wobei ihre spezielle Perspektive häufig soziale Ursachen und deren Folgen verdeutlicht hat: Armut und Ausbeutung. "Clevere Geschäftsleute aus der Türkei und aus Bulgarien" würden in der Nordstadt bei bitterarmen Zuwanderern abkassieren. Zuerst bei den in Kleinbussen organisierten Fahrten ab Plowdiw in Ost-Bulgarien, wo ihnen Dortmund oder Duisburg als das "gelobte Land" angepriesen werde.

Der zweite Abkassierer ist ein Matratzenlager-Vermieter. Dann kommt ein "Dolmetscher", der sich als offizieller Behördenvertreter aufspielt und gegen Provision beim Anträgeausfüllen für Sozialleistungen hilft. "Ohne dass er wirklich geholfen hat", berichtet Detlef Rath. Später halten auch Drogenhändler die Hand auf. Denn zugedröhnt ist das Elend besser zu ertragen. So verdienen skrupellose Gestalten an der Armut aus Osteuropa. Menschenwürde? Wird mit Füßen getreten. Täglich.

3,50 Euro Stundenlohn auf dem Arbeiterstrich

"Männer versuchen, auf dem Arbeiterstrich an einen Job für 3,50 Euro pro Stunde zu kommen. Für Frauen ist es die Prostitution, um irgendwie an Geld zu kommen", erklärt Rath. Polizeihauptkommissar Markus Wick über den Teufelskreis: "Irgendwann haben sie kein Geld mehr. Dann rutschen sie ins kriminelle Milieu ab." Auch mit Taschendiebstählen halten sie sich über Wasser.

Detlef Rath über das lukrative Ausbeutungs-System gnadenloser Hintermänner: "Die Bulgaren, die noch nicht hier waren, hören das auch immer wieder von denen, die enttäuscht zurückgekehrt sind. Aber sie glauben es nicht."Denn ihr Glaube an ein besseres Leben im Westen ist größer als das Misstrauen über negative Berichte.

 
 

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