Mit Krankenschein zur Bürgermeister-Kandidatur

Will von Dortmund nach Norddeutschland wechseln: Oliver Berten. (Foto: WR)
Will von Dortmund nach Norddeutschland wechseln: Oliver Berten. (Foto: WR)
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Dortmund.. Dortmunds Marketing-Chef Oliver Berten (57) ist seit Monaten krank geschrieben. Aber das hindert ihn nicht daran, Bürgermeisterkandidat in Winsen an der Luhe zu werden – und 300 000 Euro Abfindung von der Stadt Dortmund zu fordern.

Das hat es in der Verwaltung so noch nicht gegeben: Einer der dienstältesten Amtsleiter ist seit rund vier Monaten nicht mehr an seinem Arbeitsplatz aufgetaucht. Er ist seit September krankgeschrieben. Ein Umstand, der ihn nicht hindert, im schönen Winsen an der Luhe (Niedersachsen) aktiv im politischen Geschäft mitzumischen, an Ratssitzungen teilzunehmen und sich auf seine Kandidatur für die Bürgermeister-Wahlen im September vorzubereiten.

Krank geschrieben – und Fraktionschef der „Freien Winsener“

Ihren Chef Oliver Berten (57) haben die Mitarbeiter der Dortmund-Agentur (Stadtamt 03), zuständig für die Marketingauftritte der Stadt, zuletzt im September gesehen. Berten ist krank geschrieben und hat sich zu seiner Familie in Winsen zurückgezogen. Seiner Beteiligung am politischen Geschehen in Winsen tut das aber keinen Abbruch: Berten ist Fraktionschef der Wählergemeinschaft „Freie Winsener“, sitzt in dieser Funktion im Stadtrat und bereitet sich auf seine neue Kandidatur für die hauptamtlichen Bürgermeister-Wahlen im September vor. Bei seinem ersten Versuch zog er 2004 den Kürzeren. Seine Krankschreibung hält ihn auch nicht davon ab, sich an den Sitzungen der politischen Gremien zu beteiligen. Ausweislich des Protokolls hat Berten beispielsweise bei der Ratssitzung am 5. Oktober 2010 ebenso mitgemischt wie bei der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen am 9. Dezember 2010.

Vor Kurzem hat sich Berten dann an seinen eigentlichen Brötchengeber erinnert: Der 57-Jährige ließ die Dortmunder Stadtverwaltung schriftlich wissen, dass er aus seinem Job als Amtsleiter 03 vorzeitig aussteigen wolle - am liebsten so schnell wie möglich, und nicht erst mit 65 Jahren. Darüberhinaus wünscht Berten eine Abfindung in Höhe von rund 300 000 Euro.

„Ich sage zu der Sache nichts.“

In der Verwaltung mochte sich zu der pikanten Personalie niemand äußern. Von unserer Zeitung befragt, wollte auch Berten am Dienstag (8. Februar 2010) keine Stellungnahme abgeben. „Ich sage zu der Sache nichts.“ Ihm gehe es gesundheitlich schlecht, er wolle das Telefongespräch beenden. Hintergrund: Berten hat während des letzten OB-Wahlkampfes wie kein zweiter Amtsleiter in fast provozierender Manier gegen SPD-Kandidat Ullrich Sierau opponiert, der damals Stadtdirektor war - und als Oberbürgermeister prompt Bertens oberster Chef geworden ist.

Sogar seine eigenen Mitarbeiter hatten über Bertens unverblümtes Auftreten an der Seite von Gegenkandidat Joachim Pohlmann (CDU/FDP) den Kopf geschüttelt. „Der weiß nicht mehr, was er tut“, hieß es, als er sich mit Pohlmann Schulter an Schulter in der Kantine beim Mittagessen fotografieren und befragen ließ.

 
 

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