Mit Dortmunds Wirtschaft geht es aufwärts

Michael Kohlstadt
Wirtschafts-Optimismus in Stein gemeißelt: Die Baustelle der Thier-Galerie in der Dortmunder Innenstadt wächst weiter in die Höhe. Im Bild das Bauschild am Hohen Wall. Foto: Helmuth Voßgraff/WAZ Fotopool
Wirtschafts-Optimismus in Stein gemeißelt: Die Baustelle der Thier-Galerie in der Dortmunder Innenstadt wächst weiter in die Höhe. Im Bild das Bauschild am Hohen Wall. Foto: Helmuth Voßgraff/WAZ Fotopool
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund kommt mit Schwung aus der großen Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres heraus. Viele Anzeichen deuten sogar daraufhin, dass die Stadt im besonderen Maße vom ohnehin überraschend deutlichen Konjunkturaufschwung profitiert. Der Grund: Die heimische Wirtschaft war schon vor der Krise gut aufgestellt - auf vielen Standbeinen.

Bereits vor Tagen verbreitete die Industrie- und Handelskammer ungewohnten Optimismus. Mehr als 90 Prozent aller Betriebe beurteilten in der turnusmäßigen Konjunkturumfrage der IHK ihre Lage als gut bis befriedigend. Noch mehr Unternehmen blicken derzeit sogar mit frohen Erwartungen in die nahe Zukunft.

Manche Unternehmen lassen die Sektkorken sogar laut und vernehmlich knallen. Etwa der Automobilzulieferer Elmos, der sein Firmenjubiläum im letzten Jahr wegen der Wirtschaftskrise noch kleinlaut abgesagt hatte. Nun laufen die Geschäfte wieder glänzend. Am kommenden Freitag lädt der Halbleiterhersteller zur „25 Jahre+1“-Feier - mit Ministerpräsidentin.

Durchatmen im Rathaus

Auch im Rathaus sorgt die zurückgewonnene Ertragsstärke der heimischen Unternehmen für kräftiges Durchatmen. Kämmerer Jörg Stüdemann kann sich nämlich über 14 zusätzliche Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen freuen (WAZ berichtete) - ein hübsches Sümmchen, das dem obersten Kassenwart unerwartet Luft verschafft bei der Bewältigung der aktuellen Haushaltskrise.

Selbst auf dem Arbeitsmarkt, durch die Folgen des Strukturwandels immer noch hoch belastet, tut sich etwas: Die Quote liegt mit 13,2 Prozent zwar weiter bedenklich hoch. Aber der Langzeittrend weist eindeutig nach unten. Die Zeiten, in denen die Quote auf 18 Prozent hochschnellte, scheinen überwunden.

Weniger Kurzarbeiter

Auch der Kurzarbeiter-Berg schmilzt rasant dahin. 8000 Stellen dieser zur Abfederung der Krise bislang so wirkungsvollen Maßnahme sind derzeit noch gemeldet. Zu Spitzenzeiten im letzten Jahr waren es einmal 12.000.

Das alles wundert Udo Mager wenig. Zwar ist auch der Geschäftsführer der Dortmunder Wirtschaftsförderungsgesellschaft „einigermaßen überrascht“, mit was für einem Tempo die Konjunktur aus der Talsohle herauskommt. Doch der Mann, der schon von Amts wegen Optimismus verbreitet, hat es kommen sehen. „Das Jahr 2009 hat in Dortmund nicht so eingeschlagen, wie noch Ende 2008 befürchtet.“ Dortmund habe die Krise auch deshalb so gut bewältigt, weil „wir einen gesunden Branchenmix haben“ und die Unternehmen, die besonders in Bedrängnis gerieten, auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen konnten. Viele Betriebe hätten zudem die Boomzeiten bis 2008 dazu genutzt, sich ein Finanzpolster zuzulegen, von dem man dann habe profitieren können.

Als Hauptgrund für die Stabilität der Dortmunder Unternehmenslandschaft macht Mager aber den hohen Dynamikfaktor aus, der sich seit Jahren immer wieder in schmeichelhaften Standort-Rankings niederschlägt. Mager kann die eher abstrakten Ranglistenerfolge jetzt mit harten Zahlen unterfüttern. Nach einer Studie der Technischen Universität, die im letzten Wirtschaftsausschuss vorgestellt wurde, hat Dortmund eine überproportional junge Unternehmensstruktur. 58.200 der neuen Jobs, die in den Jahren zwischen 1999 bis 2009 entstanden, gehen allein auf Firmenneugründungen zurück. Lediglich 2900 Arbeitsplätze wurden im Bestand hinzugewonnen. Bezogen auf die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt Dortmund mit diesem Wert deutlich über Ruhrgebiets-, Landes- und sogar Bundesdurchschnitt. Besonders bemerkenswert: Die Dortmunder Wirtschaft wächst überwiegend aus sich selbst heraus. Ansiedlungen von außen spielen bei der Dynamik eine untergeordnete Rolle. Was man schnell auch als Nachteil begreifen könnte, wertet Mager positiv: „Das zeugt vom Unternehmergeist in dieser Stadt.“