Mit dem Kinderwagen ins Kino

Ein Blick in das Kinderwagenkino. Foto: Knut Vahlensieck
Ein Blick in das Kinderwagenkino. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Kino und Kleinkind – das klingt erst einmal nach einer Kombination, die sich nicht vereinbaren lässt. Ist sie aber doch. Bei gedrosseltem Ton, vorsichtiger Dunkelheit und mit Plüschtieren vor den Füßen – im Kinderwagenkino des „sweetSixteen“-Filmclubs im Depot, dem einzigen des Ruhrgebiets.

Henry gurgelt. Guckt. Brabbelt. Johlt dann ein wenig. Henry ist sechseinhalb Monate jung – aber schon ein richtiger Cineast. Er war gerade mal einige Wochen alt, als er das erste Mal im Kino saß. Oder lag. Der Film, der gerade schwarz-weiß über die Leinwand flimmert, scheint ihn in seinen Bann zu schlagen. Bis Henry eine Rassel entdeckt – und sich lieber auf dem grünen Teppichboden fläzt, der vor den Füßen seiner Mutter Nadine Schmidt liegt.

Für Nachwuchs sorgen. Ein Ziel, das die „Sweeties“ Suse Solbach, Peter Fotheringham und Frank Haushalter ziemlich wörtlich genommen haben. „Wir wollen Angebote schaffen, die Menschen motivieren, ins Kino zu gehen“, erzählt Peter Fotheringham. Und als das Familien-Projekt Dortmund mit der Idee kam, auch zu bieten, was es sonst nur in Berlin oder München gibt, waren die Filmliebhaber dabei. „Ich finde es super, dass es das in Dortmund gibt: Das ist so großstädtisch“, findet Anja Müller-Westing – obwohl sie Marla, dreieinhalb Monate, das letzte Mal die ganze Zeit herumtragen musste. „Das ist ein soziales Event. Man trifft Freunde und andere junge Mütter“, sagt Katrin Craney, die mit Karlotta (4 ½ Monate) extra aus Wuppertal gekommen ist – weil es auch schön ist, „nicht immer nur zu Hause zu sitzen“. Sondern Brötchen, Waffeln oder frischen Kaffee serviert zu bekommen. „Hier ist alles ein bisschen familiärer“, findet Nadine Schmidt. Die Besucher kommen zwangsläufig in Kontakt – denn im Kinderwagenkino stimmen sie ab, was sie sehen wollen. „Anfangs war das Angebot noch ein wenig klischeehaft“, sagt Peter Fotheringham lachend. „Aber wir haben gelernt. Diesmal sind auch Filme ab 18 im Angebot“, sagt Peter Fotheringham. Die Kinder hingegen dürfen nicht älter als zwölf Monate sein – weil sie sonst zu viel von den Bildern mitbekommen.

Rieke mussten ihre Eltern Ulf und Inka Stelzer schon beim letzten Mal den Film nacherzählen. Die zehnwöchige Dame hatte sich für Schlummern statt Schauen entschieden. Und die Eltern freuten sich. „Es ist auch für die Partnerschaft wichtig, mal etwas gemeinsam unternehmen zu können“, sagt Ulf Stelzer, der gerade seine Vätermonate verlebt.

Nicht immer nur
zu Hause sitzen

So ruhig geht es aber nicht immer zu. Schreien, Weinen, keine Ruhe geben – auch das haben Kleinkinder im Repertoire. „Ich wüsste nicht, wie Zuschauer in einem Multiplex darauf reagieren würden“, fragt sich Anja Müller-Westing. Im „sweetSixteen“-Kino aber können die Besucher stillen, zwischen den Reihen umherlaufen oder sogar eine Wickelauflage nutzen. „Toleranz gehört zum Programm dazu“, findet Ulf Stelzer. Rieke ist inzwischen aufgewacht.

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