Mit Betonstiefeln in den Phoenix-See

Dortmund ist Tatort. Und was sonst eher einen negativen Beigeschmack hat, ist in diesem Fall Grund zum Jubeln. Ab 2012 ermittelt Jörg Hartmann als Peter Faber in der Westfalenmetropole – und sagt: „Dortmund ist eine überaus lebendige und bunte Stadt“. Wir hätten da schon mal ein paar Vorschläge für die Drehbuchautoren.

Die Nebenrollen

Lange suchen müssen die Leute vom WDR nicht, wenn es um die richtige Besetzung von Nebenrollen geht: Jochen Schrumpf zum Beispiel, verdienter Leiter der Glen Buschmann Jazzakademie, hat unfreiwillig schon Erfahrung als Krimineller – wurde er vor Jahren doch von einem Sondereinsatzkommando mitten in der Innenstadt überwältigt, weil sie ihn für den Mörder Dieter Zurwehme hielten. Action-Sequenzen hat auch OB Ullrich Sierau im Repertoire – und könnte von der Polizei angehalten werden, während er telefonierend Rad fährt. Kämmerer Jörg Stüdemann würde sich mit sonorem Lachen und erschlagender Rhetorik bei jedem Verhör gut machen. Und Professor Metin Tolan wäre sowohl für klare Worte als auch ballistische Berechnungen à la James Bond bestens geeignet. Polizeipräsident Hans Schulze könnte als Plakatkleber im Hintergrund agieren – und Michael Steinbrecher Frisurberatung leisten.

Die Tatorte

Der Pott ist Klischee. Zumindest in den Augen derer, die zwischen „Düüsbuach und Doatmunt noch immer den Kopp einziehen, weil se denken, die Kohle fliecht tief...“ Dortmund, auch wenn der Arbeitstitel der ersten Tatort-Folge „Alter Ego“ heißt, hat keine Identitätskrise. Im Ernst: Wer tief stapelt, kommt groß raus! Also machen wir doch weiter in Bier, Fußball und... – überraschen dann mit feinsinniger Mordkultur, z.B. im Kinder- und Jugendtheater. Da hat Hartmann mal hospitiert. Ratsam wäre es auch, die Wirtschaftsförderung mit einzubeziehen. Nicht wegen der Kneipe um die Ecke. Sondern wegen der spannenden Unternehmenslandschaft. Warum stürzt sich der Manager vom RWE Tower? Wer hat eine Leiche in der Caterpillar-Baggerschaufel entsorgt?

Kein Schrebergarten als Tatort? Dabei könnte der Plot rund um Dortmunder Grünkohl ein echter Wirtschaftskrimi werden. PCB auf dem Teller – dieses Drehbuch schreibt sich doch von allein!

Den nächsten Toten werfen wir mit Dortmunder Beton in den Gummistiefeln in den Phoenixsee. Oder klemmen ihn in die Rolltreppe des „U“s – die dann endlich mal funktioniert hätte. Was direkt die nächste Idee liefert: Ein schier auswegloser Fall, der Kommissar tappt im Dunkeln. Dann installiert Adolf Winkelmann seine neuen fliegenden Bilder auf dem U-Turm. Und serviert den Mörder! Rein zufällig hat er beim Filmen im Taubenschlag den bösen Buben auf frischer Tat ertappt – das ist wie Fernsehn im Fernsehn!

Einen haben wir noch: Ein potentielles Opfer könnte sich beim Geierabend totlachen...

Klamotten

Kommen natürlich von Zechenkind und Heimatdesign.

Kult-Karre

„Harry, hol schon mal den Wagen...“ Der fahrbare Untersatz vom Chef ist noch ein Diskussionsthema. Mit einem Smart (das ist diese fahrbare Kasperlebude) könnte er quer einparken und so auch im Kreuzviertel ermitteln. Oder wir setzen ihn in die U-Bahn, dann ist er schon im Untergrund. Am anderen Ende der Skala: Der Kult-Flitzer von Neven Subotic, den der an unseren Kommissar verleihen könnte. Oder der Dortmunder Ermittler lässt sich von Claus Dieter Clausnitzer chauffieren – aber dann wären die Münsteraner eifersüchtig…

Die dritte Frau

Caroline Hanke vom Dortmunder Schauspielensemble wäre als Dortmunder Mädel an der Seite von Jörg Hartmann sicher der Knaller – und sie ist vielseitig einsetzbar, auf Eis („Woyzeck“), im Pool („Nora“) oder getarnt als Braut („Heimat unter Erde“). Oder, ganz gegen den Strich: Helga Uthmann, die nicht nur besten Kontakt zu Clausnitzer hat, sondern auch Ruhrpottcharme, Humor und Erfahrung. Andererseits: Die Autorinnen würden sich auch selbst gerne zur Verfügung stellen. Das hätte den charmanten Vorteil, dass die Lokalpresse immer ganz nah dran wäre an den Tatorten...

 
 

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