Mini-Jobs nehmen rasant zu

Anja Schröder

Jeder vierte Job in Dortmund hat inzwischen die Vorsilbe „Mini“. Was bedeutet: Ein maximaler Verdienst von 400 Euro, der Jobber selbst zahlt keine Steuern, keine Sozialbeiträge. Was eigentlich als Starthilfe zurück ins Berufsleben gedacht war, erweist sich oft als Falle. Für die Betroffenen. Aber auch für den Staat.

60 306 Menschen (Stand September 2010) in Dortmund arbeiten in einem geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnis. 60 Prozent davon sind übrigens Frauen – gerade für sie, so beurteilen es die Gewerkschaften, haben sich durch die Aufteilung von Arbeitsplätzen in Minijobs die Eingliederungschancen verschlechtert. 44 693 Menschen waren ausschließlich als Minijobber beschäftigt; 15 613 verdienten sich damit ein Zubrot im Nebenjob. Deren Zahl hat sich seit 2003 quasi verdoppelt: Da listete die Agentur für Arbeit Dortmund, so deren Sprecherin Sabine Hanzen-Paprotta, gerade 8 038 Personen, die sich mit 400 Euro das Salär aufstockten. Insgesamt gibt es in Dortmund seit 2003 rund 17 000 Minijobber mehr.

Dass gleichzeitig auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 194 257 auf 204 299 gestiegen ist? Prozentual macht sich hier eine deutliche Verschiebung fest – eine „gravierende Fehlentwicklung“, kritisieren Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Zumal die 400 Euro-Jobs auch Schwarzarbeit kaschieren könnten. Kontrollen? – Kaum möglich.

„Gravierende Fehlentwicklung“

Ähnliches gilt bei Hartz IV-Empfängern mit Minijob. Von den 30 373 Arbeitslosen beim Jobcenter Dortmund haben, so Sprecher Christian Scherney, 8 844 eine geringfügige Beschäftigung; sie dürfen von 400 Euro im Schnitt 160 behalten. (Zusätzlich verdienen hier 4 877 über 400 Euro im Monat). Ob sie tatsächlich mehr arbeiten? Die Arbeitgeberverbände sehen da ein ganz anderes Problem: Die Kombination aus dem Hartz IV-Geld plus zwar geringem, aber legalem Hinzuverdienst rechne sich teilweise eher, als ein Vollzeitjob mit geringem Bruttoverdienst.

Die meisten Minijobs finden sich übrigens in der Gastronomie und in der Gebäudereinigung. Fast jeder Zweite geht hier für 400 Euro und weniger arbeiten.