Menschen denken laut Dortmunder TU-Studie im Dunkeln besser

Lichtlos Experiment im RIF an der Universität Dortmund. Die Projektleier Michael Lück (Lichtlos Köln) und Dr. Vanessa Haselhoff sind von der Eindeutigkeit der Ergebnisse überrascht.
Lichtlos Experiment im RIF an der Universität Dortmund. Die Projektleier Michael Lück (Lichtlos Köln) und Dr. Vanessa Haselhoff sind von der Eindeutigkeit der Ergebnisse überrascht.
Foto: Knut Vahlensieck
Jetzt ist es wissenschaftlich belegt: Im Dunkeln ist gut denken. Abseits von Licht ist der Mensch um 30 Prozent ideenreicher. Das war zumindest das Ergebnis eines Experiments der TU Dortmund zusammen mit RIF.

Dortmund. Im Dunkeln ist gut munkeln. Michael Lück hat dem Volksmund diese schlichte Wahrheit schon immer abgenommen. Seit 2005 führt der Kölner Marketing- und Strategieberater Kreativ-Workshops in absoluter Lichtlosigkeit durch. Zuletzt als offizielle Studie zusammen mit RIF und TU Dortmund.

Bleiben wir mal bei diesen Redewendungen: Im Dunkeln tappen... Keiner der Teilnehmer am Lichtlos-Workshop wusste so recht, was auf ihn zukommt. Im Zweifelsfall gerade ein Stuhl. In dem Raum nämlich war es tatsächlich zappenduster. „Können Sie Ihre Hände noch sehen?“ fragte Moderator Walter Bott mehr rhetorisch. Tatsächlich sahen die Teilnehmer die Hand vor Augen nicht. Und schon ging sinnbildlich das erste Licht auf: Wenn die optischen Reize komplett ausgeschaltet sind, muss sich der Mensch auf andere Sinne verlassen. Auf Intuition. Das heißt auch: Vorurteile, Bewertungen, das Taxieren fallen weg. Also: Augen zu und durch.

Eindeutigkeit der Ergebnisse überrascht die Forscher

Die Zeit in der Dunkelkammer ist eine Art kontrollierte Krisensituation, erklärt Michael Lück. Eine, die bestes Mittel für Entwicklung sein kann. Und zwar nicht nur der neusten Verkaufstrategie. Sondern zuvorderst der Persönlichkeit. „Sie verlassen eingetretene Pfade, kommen aus der Reserve. Hören mehr auf ihr Bauchgefühl“. Und sind kreativer. Egal, in welchem Job.

Das ist jetzt nachgewiesen. Bei 14 Workshops mit insgesamt 74 Teilnehmern, die Hälfte im Dunkeln, die andere Hälfte im Hellen, wurde klar: Dunkelheit ist Katalysator für Kreativität. Die Eindeutigkeit des Ergebnisses überraschte aber selbst Professor Hartmut Holzmüller und seine Kollegin Dr. Vanessa Haselhoff vom Institut für Marketingberatung GmbH Dortmund: „Mit einer fast 30 Prozent höheren Kreativität haben wir nicht gerechnet“, sagt der Forscher der TU Dortmund.

Unabhängige Jury bewertet "blinde" Antworten

Acht Aufgaben, je vier Minuten Zeit für die Antworten: „Was würde passieren, wenn Menschen nach Belieben unsichtbar würden?“, „Nenne alle runden Dinge, die Dir einfallen“. „Was kann man alles mit einer Zeitung machen?“... Die Sehenden waren deutlich befangener; im Dunkeln war die gedankliche Freiheit größer.

Die Anzahl der Ideen ist bei allen acht Aufgaben in den dunklen Workshops signifikant höher als die entsprechenden Vergleichswerte in den hellen Runden, durchschnittlich um fast 30 Prozent. Auch die Qualität und Vielfalt der Ideen werden von der unabhängigen Jury als deutlich höher bewertet, nicht aber unbedingt deren Originalität. Und: Die Teilnehmer der Lichtlos-Runden sind anschließend zufriedener, stimulierter und „abenteuerlustiger“.

Unsere Gruppe jedenfalls hat viel Potenzial. Vor allem was die Einfälle für „ungewöhnliche Anwendungen für Kaugummi“ betrifft...

 
 

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