Mehr Zeit für Drogen-Süchtige

Ein Heroinsüchtiger raucht seine Droge in einem Drückerraum in Dortmund. WR-Foto: Ralf Rottmann
Ein Heroinsüchtiger raucht seine Droge in einem Drückerraum in Dortmund. WR-Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Dortmund.  Vor dem Drogenkonsumraum von Kick hat sich eine Schlange gebildet. Die meisten sind Männer, die darauf warten, dass sie den Raum nutzen können. Es ist mittags. Um 15 Uhr wird die Einrichtung schließen.

Dann werden die Süchtigen woanders hingehen. Zum Beispiel zurück in die Nordstadt, wo die meisten wohnen. Immer mehr Süchtige nutzen den Konsumraum. Willehad Rensmann, Geschäftsführer der Aidshilfe Dortmund, Träger von Kick, wünscht sich deshalb längere Öffnungszeiten.

Kick ist montags bis freitags von 10 bis 15 geöffnet, samstags von 12 bis 15 Uhr. „Wenn wir schließen, sind die Menschen ja auch weiterhin süchtig und konsumieren“, sagt er. Zudem nutzten immer mehr Menschen die Einrichtung am Eisenmarkt. „Vor allem Anfang des Monats, wenn wieder etwas mehr Geld in der Kasse ist, gibt es Zeiten an denen wir überlastet sind“, sagt Rensmann.

Seitdem es den Druckraum gibt, also seit 2002, steigt die Zahl der sogenannten Konsumvorgänge dort kontinuierlich an. Im Vergleich zu 2002 um 165 Prozent, im Vergleich zu 2004 um 54 Prozent. 2010 wurde mehr als 31 000 Mal konsumiert, etwa 100 Mal am Tag. 712 Menschen haben 2010 den Konsumraum genutzt. Etwa nochmal so viele Menschen haben andere Angebote wahrgenommen.

Zeit für Einzelgespräche

Währen die Drogenhilfeeinrichtung geöffnet ist, können die Konsumenten dort auch etwas zu Essen oder ihre Wäsche gewaschen bekommen, duschen, Spritzen tauschen, sie können medizinisch versorgt oder beraten werden. „Je mehr Menschen bei uns sind, desto weniger Zeit haben die Sozialarbeiter für Einzelgespräche“, meint Rensmann.

Zwei Sozialarbeiter sind vor Ort, zusätzlich zu vier Hilfskräften, wie Studenten oder Rettungssanitätern, einer Küchenkraft und einem Arzt oder Krankenpfleger. „Wir müssen dann vor allem gucken, dass wir den Betrieb aufrechterhalten“, erklärt Rensmann. Unter anderem müsse gewährleistet sein, dass bei Kick nicht mit Drogen gehandelt wird. Je mehr Süchtige sich dort aufhalten, desto mehr Menschen müssten ein Auge darauf haben. „Das geht zu Lasten der Sozialarbeit.“

Es scheitert am Geld

Rensmann glaubt, dass verlängerte Öffnungszeiten die Situation entspannen würden. Das scheitere allerdings am Finanziellen. Zu 80 Prozent wird die Einrichtung von der Stadt refinanziert. „Wir sind schon froh darüber, dass wir nicht von weiteren Kürzungen betroffen sind“, sagt Rensmann.

Mit Sorge hat er die Diskussion über die Straßenprostitution in der Nordstadt betrachtet. Ähnlich wie die Mitarbeiter von der Beratungsstelle Kober arbeitet Kick mit der Polizei und dem Ordnungsamt zusammen. „Ich hoffe nicht, dass es eine Abkehr geben wird von dem Gedanken, dass Hilfe und Repression miteinander einhergehen.“

 
 

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