Mehr Kinder auf bessere Schulen

Dirk Berger

Es hat Tradition, dass man zum Tag der Arbeit an das erinnert, was nicht so gut läuft. Das war am Dienstagabend im Rathaus beim Maiempfang des Oberbürgermeisters nicht anders.

"Es geht manchen gut”, meinte OB Langemeyer in seiner Begrüßungsrede, „aber es gibt auch eine Menge Menschen, die haben Not und Angst um ihre Zukunft.” Der OB erwähnte die Unsicherheit bei VDO, erinnerte an 11 000 Kunden der ARGE, die trotz regelmäßiger Arbeit davon nicht leben könnten und auf Unterstützungsleistungen angewiesen seien. „Das”, rief er, „ist ein Skandal.” Es sei unverständlich, dass man politisch so lange um einen Mindestlohn ringen müsse. Nicht nachlassen dürfe man, wenn es um Bildung gehe. Ein „ganz zentraler Faktor” in einem Land, das sich nicht auf Bodenschätze verlassen könne, sondern das ganz auf Wissenschaft und Entwicklung setzen müsse. Bei aller Kritik an manchen Zuständen vergaß der OB aber nicht, an die Erfolge zu erinnern. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten habe wieder zugenommen, selbst bei den industriellen Arbeitsplätzen habe die Stadt zulegen können. Der OB sprach den Streit an, den man mit dem Regierungspräsident in Arnsberg über den Haushalt führe. Diegel blockiere so Aufträge für Handwerk und Bauwirtschaft und verhindere einen neuen Schub an Investitionen. Der DGB-Vorsitzende Eberhard Weber nahm in seiner Rede die stark gestiegenen Zahlen von Mini-Jobs, Leih- und Zeitarbeitern aufs Korn. „Die Wirtschaft boomt”, rief er, „aber das Beschäftigungssystem ist brüchig.” Jeder vierte Arbeitnehmer bezöge Niedriglohn, arbeite in Jobs, in denen er 30 % weniger Lohn bekäme als andere. Selbst die Mittelschicht sei betroffen: „Viele stürzen sozial ab, ohne Chance auf einen Wiederaufstieg. Der Bericht zur sozialen Lage tat weh.” Aber er sei auch das Zeichen gewesen, sich auf den Weg zu machen. Weber: „Ich fordere etwas mehr Mut ein. Wir brauchen mehr Geld. Unser Ziel muss sein: Kein Kind ohne Abschluss und mehr Kinder auf bessere Schulen. Das muss unser Ziel sein!”